Branchenzahlen

Hoffen auf Biogas aus Gülle


Der Neubau von Nawaro-Anlagen ist zum Erliegen gekommen, Gülleanlagen bleiben dagegen gefragt.
-- , Foto: Steffen Bach
Der Neubau von Nawaro-Anlagen ist zum Erliegen gekommen, Gülleanlagen bleiben dagegen gefragt.

150 Biogasanlagen sind im vergangenen Jahr neu ans Netz gegangen. Darunter warenmehr als 130 Gülle-Kleinanlagen, teilt der Fachverband Biogas mit. Der restliche Zubau verteilt sich auf Biomethaneinspeisung, Abfallvergärungsanlagen und landwirtschaftliche Vor-Ort-Verstromungsanlagen. Durch den hohen Anteil kleiner Gülleanlagen liegt die installierte Leistung, die im Jahr 2015 neu ans Netz gegangen ist, bei insgesamt nur 23 Megawatt (MW). Das sei der geringste Zubau seit Bestehen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000. Von diesen 23 MW wiederum sind nur 12 MW arbeitsrelevant und erzeugen tatsächlich kontinuierlich Strom. Die restlichen 11 MW stehen als flexible Leistung zur Verfügung, wenn im Stromnetz ein Bedarf festgestellt wird.

Noch 80 Prozent der Gülle ungenutzt

„Das, was wir heute an Zahlen veröffentlichen, ist das sichtbare Ergebnis des EEG 2014“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas, Dr. Claudius da Costa Gomez. In der Gesamtbilanz liegt der Netto-Zubau sogar bei nur 2 MW, denn 20 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 9 MW wurden 2015 stillgelegt. Vor allem bei den Gülle-Kleinanlagen sieht der Verband aber noch erhebliches Ausbaupotenzial, denn nur ein Fünftel der anfallenden Gülle wird bisher in Biogasanlagen vergoren.

Unsicherheit hemmt Investitionen

Ende 2015 waren insgesamt 8.856 Biogasanlagen mit einer Leistung von 4.018 MW am Netz. Knapp die Hälfte der installierten Biogasleistung – rund 1.800 MW – steht laut Fachverband bereits flexibel zur Verfügung. „Wie viele dieser Anlagen ihre Stromeinspeisung tatsächlich nach dem Bedarf im Stromnetz orientieren, bestimmt der Markt“, sagt da Costa Gomez. Hier könnten entsprechende Strompreissignale – hoher Preis bei großer Nachfrage und niedriger Preis bei geringer Nachfrage – die Anlagenbetreiber zu einer bedarfsgerechten Einspeisung motivieren. Doch die Flexibilisierung stockt. Nur 100 MW wurden 2015 als zusätzliche flexible Leistung an bestehenden Anlagen installiert. Dass sich die Betreiber mit Investitionen zurückhalten, liegt nach Meinung des Verbandes an den fehlenden politischen Signalen.

Es bleibt bei Klein-Klein

Beim Anlagenneubau erwartet der Fachverband für 2016 mit 150 Gülle-Kleinanlagen und einigen Biomethan-Einspeiseanlagen ein ähnliches Investitionsvolumen wie im Vorjahr. Die neu installierte Gesamtleistung könnte rund 26 MW betragen, von denen 14 MW arbeitsrelevant sind. (SB)
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