Pflanzenschutz

Hoffnung für Glyphosat

Am Rande einer Konferenz in dieser Woche hat EU-Kommissar Phil Hogan denjenigen, die auf eine langfristige Wiederzulassung von Glyphosat setzen, Hoffnung gemacht. Er sei zuversichtlich, dass es in den kommenden Wochen eine Entscheidung geben könne, zitiert Agra Europe London den Brüsseler Agrarkommissar. Eine Verlängerung der Registrierung um „mindestens zehn Jahre“, so Hogan, würde der Branche Sicherheit verschaffen.

Kein konkretes Krebsrisiko, aber auch kein Freibrief

Grundlage für die positive Entscheidung könnte die Stellungnahme der Europäischen Chemikalienagentur (Echa) sein, die im März 2017 bekannt gegeben hat, dass sie Glyphosat nicht als krebsgefährdend einstuft. Bislang ist die Meinungsbildung nicht ganz einheitlich. Während die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) im März 2015 Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ beurteilt hat, schließt eine zweite WHO-Behörde ein Krebsrisiko aus. Im Mai 2016 war das Joint Meeting on Pesticides and Residues (JMPR), eine gemeinsame Einrichtung von WHO und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), zu dem Schluss gekommen: „Bei gebräuchlichen Mengen gibt es kein Krebsrisiko für Menschen durch Glyphosat-Rückstände.“ Damit stärkte das JMPR auch die Einschätzung der deutschen und europäischen Behörden zur Risikobewertung. Sowohl das BfR als auch die Efsa hatten ein Krebsrisiko ausgeschlossen.

Deutschland ohne klares Votum

Nachdem alle diese Risikobewertungen im Frühsommer 2016 vorlagen, hatte die EU-Kommission ursprünglich eine reguläre Verlängerung der Glyphosat-Registrierung zunächst für 15 Jahre und später für neun Jahre vorgeschlagen. Eine Entscheidung scheiterte jedoch an der Uneinigkeit der EU-Mitgliedstaaten – insbesondere in Deutschland. Hier kam es zum Krach in der Regierungskoalition, weil Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) für die Verlängerung stimmen wollte, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) aber dagegen. Als Konsequenz enthielt sich Deutschland – und damit fehlte eine qualifizierte Mehrheit in Brüssel. Um Zeit zu gewinnen für die Echa-Stellungnahme, ist daraufhin die Zulassung für Glyphosat um 18 Monate verlängert worden.

Juncker will Mitgliedstaaten wieder beteiligen

Wenn demnächst in Brüssel über die langfristige Zulassung abgestimmt werden soll, will EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die EU-Mitgliedstaaten beteiligen, hat er im März angekündigt. Der Ausgang ist offen. (db)
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