Die Beziehungen zwischen Irland und Großbritannien müssen sich radikal ändern. Darauf bereitet EU-Agrarkommissar Phil Hogan, der im irischen Kilkenny geboren wurde, sein Land vor. Seiner Einschätzung nach wäre es ein "fundamentaler Fehler", wenn Irland mit Blick auf die Brexit-Verhandlungen nicht auf Distanz zum Vereinigten Königreich gehe. Die starke Bindung an das Nachbarland berge eine große Gefahr.

Hogan äußerte sich am Dienstag in Gastbeiträgen in zwei nationalen Zeitungen. In der 'Irish Times' warnte er, dass die strategischen Interessen Irlands schweren Schaden nehmen könnten, sollte das Land sich weiterhin so stark auf Großbritannien konzentrieren.

Im Fokus stehen müssten nun die EU-Länder als wichtige und einflussreiche Partner. Zwar habe sich Großbritannien dazu entschieden, die EU zu verlassen. Doch die Entscheidung über die Bedingungen des Austritts, die liege bei den EU-Staaten. Damit hätten sie das Sagen, wie es weitergehe.

Hogan sieht harte Grenzen als unvermeidbar

Keinesfalls dürfe Irland seine Beziehung zu Europa weiterhin über seine Beziehung zu Großbritannien definieren. Irland müsse das Vertrauen in sich selbst haben, als "post-Brexit Ireland" auf die Verbindungen zu seinen EU-Partnern zu setzen. In der 'Irish Independent' schreibt Hogan weiter, eine "harte Grenze" zu Nordirland, das ein Teil Großbritanniens ist, sei nach einem Brexit unvermeidbar.

Während die Briten mit einem 52-zu-48 Prozent-Votum für den Austritt aus der EU gestimmt haben, sprachen sich die Iren zu 56 Prozent für einen Verbleib in der EU aus. Bis zum 31. März will Großbritannien seine Austrittserklärung nach Artikel 50 der EU-Verträge Brüssel vorlegen. Das wäre der Startschuss für die Verhandlungen, für die zwei Jahre Zeit ist. (got)
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