Gesellschaft

IAMO rät zu mehr Selbstkritik

Antibotikaeinsatz, Tierwohl, Überdüngung, Pestizideinsatz – kaum ein Tag vergeht ohne negative Schlagzeilen für die Landwirtschaft. Die Kritik komme dabei nicht nur von agrarkritischen Organisationen, erklärt Prof. Dr. Alfons Balmann, Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO). In der neuesten Analyse stellt das IAMO fest, dass die Diskussion mittlerweile die breite Öffentlichkeit erreicht hat.

Die Landwirtschaft stehe unter der besonderen Herausforderung, sich zugleich einer wachsenden gesellschaftlichen Kritik an der Produktionsweise zu stellen, als auch technologischen Fortschritt zu realisieren. Nur so könne man im internationalen Wettbewerb bestehen, so die Einschätzung des Agrarökonomen. Auch der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, dessen Mitglied Balmann ist, hatte zuletzt wiederholt angemahnt, Probleme im Bereich der Düngung und des Tierschutzes ernst zu nehmen und zu lösen.

Freiwilligkeit funktioniert nicht

Die Kosten für die Schaffung einer gesellschaftlich akzeptierten Landwirtschaft wären beträchtlich, heißt es weiter. Lösungen sind laut IAMO auch nicht in greifbarer Nähe. Denn gebraucht würden einerseits weitere technische Fortschritte und gleichzeitig die Bereitschaft der Landwirtschaft, proaktiv gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Das IAMO beschreibt das soziale Dilemma, in dem sich die Landwirte befinden: Produzenten, die ohne Honorierung gesellschaftlicher Leistungen Mehrkosten auf sich nehmen, konkurrieren mit anderen, die mit niedrigeren Standards wirtschaften. Diese Tretmühle verkleinere die Spielräume für freiwillig zu leistende höhere Standards.

"Die Landwirtschaft ist gefordert, die bestehenden Defizite ehrlich anzuerkennen und durch aktive Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung neues Vertrauen zu gewinnen", so das Fazit der kostenlos herunterladbaren Analyse "Über Bauernhöfe und Agrarfabriken: Kann die Landwirtschaft gesellschaftliche Erwartungen erfüllen?". (kbo)
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