Frikadellenkrieg

ISN gegen Schweinefleischpflicht


Der Schweinefleischerlass der dänischen Stadt Randers hat auch in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Der Stadtrat hatte dort beschlossen, dass öffentlichen Einrichtungen mehr Schweinefleisch auf den Speiseplan setzen. Die Politiker protestierten damit gegen die Entscheidung eines Kindergartens, mit Rücksicht auf die steigende Zahl muslimischer Kinder Schweinefleisch vom Speiseplan zu streichen. In Dänemark hat das Thema Brisanz, nicht nur weil das Land einer der größten Schweinefleischexporteure der Welt ist, sondern auch weil der Pro-Kopf-Verbrauch höher ist als in jedem anderen europäischen Land.

In Deutschland stießen das Vorgehen der Stadt Randers überwiegend auf Kritik – auch bei der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). „Wir lehnen dieses Vorgehen klar ab“, heißt es in der ISN-Geschäftsstelle im niedersächsischen Damme. Man sei gegen jegliche staatlichen Zwangsmaßnahmen, sei es der Veggy-Day oder auch die Entscheidung in Randers. Gleichwohl kritisiert die ISN, dass auch in Deutschen Kantinen immer seltener Schweinefleisch angeboten wird. Nachfragen hätten ergeben, dass dabei religiöse Gründe nur regional eine Rolle spielten.

Der eigentliche Skandal sei aber ein anderer: „Wer täglich vor der Herausforderung steht, für unter zwei Euro je Mahl den Kindern ein vollwertiges Mittagsmenü aufzutischen, der schaut genau, wo er sparen kann. Geflügelfleisch und vegetarische Komponenten sind da oftmals einfach billiger als hochwertiges Schweine- oder Rindfleisch“, stellt die ISN fest. Damit sei man wieder beim Kernthema der öffentlichen Debatte um die Tierhaltung: „Die Verbraucher wollen zwar ganz genau wissen, was drin ist und wie es hergestellt wurde, kosten darf es aber nichts“, kritisiert die ISN. Den Einrichtungen rät die Organisation, Ernährungsfragen ideologiefrei mit den Eltern zu diskutieren. Die müssten letztlich entscheiden, wie ihre Kinder ernährt werden sollen, und was sie bereit sind, dafür auszugeben. (SB)
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