Glyphosat

Im EP bleiben Zweifel

Im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments sorgte am heutigen Dienstag eine Debatte über Glyphosat für Verwirrung. Vertreter mit ihren unterschiedlichen Einschätzungen standen sich im Ausschuss unversöhnlich gegenüber. Christopher Wild vom IARC (International Agency For Research on Cancer) schließt eine Krebsgefahr nicht aus und beruft sich dabei vor allem auf Fütterungsversuche des Wirkstoffs an Mäuse. EFSA-Direktor Berhard Url sieht dagegen keine erhöhten Risiken. Beide Seiten behaupten von sich, größtmögliche wissenschaftliche Sorgfalt an den Tag gelegt zu haben.

Streit um Glyphosat
Der Streit über die Risiken von Glyphosat war bereits im vergangenen März entbrannt. So hatte die WHO den Stoff als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft, das Bundesinstitut für Risikobewertung hingegen als "nicht krebserregend". Seitdem versuchen Forscher und Politiker zu klären, wer recht hat. Die EFSA hatte sich Mitte November für eine Verlängerung der Zulassung ausgesprochen; zum Entsetzen vieler Forscher, die den Stoff seit Jahren untersuchen.(mrs)
Url kritisierte, dass im Fall von Glyphosat das Verfahren der EFSA in Frage gestellt werde, nur weil einigen das Ergebnis nicht passe. Beim negativen Bescheid für Neonicotinoide habe es dagegen keine Kritik an der EFSA gegeben, verteidigte Url die Unabhängigkeit seiner Behörde.

Auch im jüngsten Protestbrief zeigten die beteiligten 92 Wissenschaftler nur ihre Ablehnung von Glyphosat, aber keine fundierten neue Aspekte für Krebsrisiken, führte der EFSA-Direktor ins Feld. Da auch die IARC keinesfalls von ihrer Einschätzung abweicht, forderten mehrere Abgeordneten im Ausschuss, man sollte zumindest nach dem Vorsorgeprinzip Glyphosat verbieten. 

Die EU-Kommission will dagegen einen Vorschlag zur Verlängerung im Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette diskutieren. Bis zum 30. Juni 2016 soll die Entscheidung über die Wiederzulassung von Glyphosat dann fallen. Das EP hat dabei kein Mitspracherecht.  (Mö)
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