Neonicotinoide

Imker zieht nüchtern Bilanz


Die Saatgutbeizung führt auch bei Bienen, die sich viel von Raps ernähren, zu keinen negativen Beeinträchtigungen.
-- , Foto: Johannes Kolhoff
Die Saatgutbeizung führt auch bei Bienen, die sich viel von Raps ernähren, zu keinen negativen Beeinträchtigungen.

Zu einer differenzierten Einschätzung der Auswirkung des EU-weiten Moratoriums für neonicotinoide Beizen für Mais, Raps und Getreide auf die Bienengesundheit kommen gut zwei Jahre nach Verhängung des vorläufigen Verbots nicht nur Industrie und Landwirte, sondern auch Imker.

Spritzen schadet auch

Zwar würde „ein grundsätzliches Verbot“ der Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxan den Schutz der Honigbienen sowie anderer Bestäuberinsekten erhöhen, sagte Jürgen Frühling, Vorsitzender des Landesverbands Hannoverscher Imker, auf einem Presseseminar vom Industrieverband Agrar (IVA)  und der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop) am Donnerstag in Berlin. Doch muss nach Meinung des Imkers dabei berücksichtigt werden, ob der Verzicht auf Beizen nicht zu mehr Spritzmittelanwendungen führt. Denn auch die Spritzmittelanwendung von nicht bienengefährlichen Insektiziden hat laut Frühling negative Auswirkungen auf die Bienengesundheit.

Frühling wies zudem darauf hin, dass im Deutschen Bienenmonitoring selbst bei Bienenvölkern, die sich viel von Raps ernährten, keine „messbaren negativen Beeinträchtigungen“ der Entwicklung von Bienen verzeichnet wurden. Der Bericht deckt den Zeitraum vor dem Neonicotinoid-Verbot ab. Die Ergebnisse spiegeln somit die flächendeckende Aussaat von Rapssaatgut, das mit neonicotinoider Beize behandelt wurde, wider.

Kaum Schutz vor Rapserdfloh und Kohlfliege

Landwirt Daniel Bohl von der Wariner Pflanzenbau eG, die Raps im Wirtschaftsjahr 2014/15 auf rund 550 ha ausgesät hat, wies auf Schäden durch Rapserdfloh und Kohlfliege seit dem Neonicotinoid-Verbot hin. Das Verbot habe zudem zur Folge, dass der Insektizid-Einsatz auf dem Betrieb deutlich gestiegen sei. Kamen im Durchschnitt der Jahre 2005 bis 2013 Insektizide auf 28 Prozent der Rapsflächen zum Einsatz, wurden sie im Herbst 2014 flächendeckend mehrfach angewendet.

Dr. Richard Schmuck, bei Bayer Cropscience für Umweltfragen zuständig, stellte eine Studie des Konzerns zur Bienengesundheit vor. Demnach hatte die Rapsbeize Elado unter landwirtschaftlichen Praxisbedingungen keine schädlichen Einflüsse auf die Gesundheit von Honig- oder Wildbienen. Dr. Georg Diriwächter, bei Syngenta verantwortlich für globale Zulassungsangelegenheiten, präsentierte eine Studie des Konzerns, die Neonicotinoiden ebenfalls einen Persilschein ausstellt: Unter natürlichen Bedingungen können keine Effekte von Neonicotinoiden auf das Bienenverhalten nachgewiesen werden.

Bayer Cropscience ist Zulassungsinhaber für Clothianidin und Imidacloprid, Syngenta hat die Zulassung von Thiamethoxan. Beide Konzernstudien haben allerdings einen Schönheitsfehler: Ihre Ergebnisse sind nur bei der sachgemäßen Anwendung der Wirkstoffe gültig. (pio)
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