Schnelle Reaktion

Industrieverband Agrar kritisiert Greenpeace


Der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) hat die heute von Greenpeace veröffentlichte Studie als „pseudo-wissenschaftlich“ kritisiert und bezweifelt, dass der Report „Bye bye Biene?“ auf Erkenntnisgewinn ziele.

In dem Papier werden selektiv einzelne Labor-Studien aufgegriffen, ohne die vorliegenden Monitorings aus der landwirtschaftlichen Praxis zu berücksichtigen, heißt es in der schnell verfassten Replik des IVA. Diese zeigen, so der Verband, dass Insektizide von den Landwirten ohne unvertretbare Risiken für Bienen eingesetzt werden könnten.

Unterschiedliche Interpretation der Studien

Der Industrieverband Agrar wirft den Wissenschaftlern vor, sie hätten Quellen verfälschend dargestellt. So werde behauptet, eine kürzlich veröffentlichte Feldstudie habe gezeigt, dass Bienen nach Aufnahme von Pollen und Nektar mit Pflanzenschutzmittel-Rückständen den Weg zurück in den Bienenstock nicht finden konnten (S. 31).

Tatsächlich wurden die Bienen für die Studie (Henry et al. 2012) in einem Experiment mit einer Zuckerlösung zwangsernährt, die unrealistisch überhöhte Konzentrationen von Pflanzenschutzmitteln enthielt. Dass überhöhte Konzentrationen zu Orientierungsproblemen bei Bienen führen können, sei seit über zehn Jahren bekannt – aber bedeutungslos, weil diese Konzentrationen im Freiland nicht auftreten.

„Greenpeace macht es sich mit dem Ruf nach einem pauschalen Verbot wieder einmal leicht“ kommentiert Volker Koch-Achelpöhler, Hauptgeschäftsführer des IVA, die Veröffentlichung. Eine produktive Landwirtschaft brauche sowohl gesunde Bestäuber, wie Bienen und Hummeln, als auch wirksamen Pflanzenschutz, heißt es in der Erwiderung des Industrieverbandes.

Feldversuche aus England fehlen

Weiter kritisiert der Verband dass die Langzeitergebnisse des Projektes Deutsches Bienenmonitoring, an dem Wissenschaftler aus sieben deutschen Bieneninstituten zusammen mit Imkern Daten erheben und analysieren, den Lesern der „Greenpeace-Studie“ vorenthalten werden. Die führenden Bienenwissenschaftler sehen die Varroa-Milbe als die Hauptursache gestiegener Bienenverluste.

Auch Feldversuche in anderen Ländern zeigen ein anderes Bild, als Greenpeace glauben machen will, schreibt die IVA. Die staatliche britische Forschungseinrichtung FERA (Food and Environment Research Agency) hatte in einem Feldversuch an Hummeln keine Schädigung durch Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide feststellen können.

Neue Spritztechnik hilft Bienen

Während IVA und Greenpeace streiten, haben Forscher der Universität Hohenheim Gegenmaßnahmen entwickelt, um eine mögliche Schädigung der Bienen durch Pestizide zu minimieren. Gemeinsam mit der Landesanstalt für Bienenkunde wurden spezielle Düsen entwickelt, über die das Pflanzenschutzmittel nur noch in winzigen Dosen in die Blüten gelangen. „So kommen die Bienen beim Bestäuben zu 90 Prozent gar nicht mehr mit den Wirkstoffen in Kontakt“, erklärt Dr. Wallner, der Leiter dieses Teilprojektes. Die Wirksamkeit dieses Verfahrens konnte durch geringere Pestizidrückstände im Honig erwiesen werden.

In eine andere Richtung geht die Forschung mit Versuchen, die die Fortpflanzung der Varroa-Milbe, des Haupt-Bienen-Schädlings, eindämmen soll. Mit einem nachgebauten Sexualpheromon verwirren die Wissenschaftler die Spinnentiere und verlangsamen so die Vermehrung. (hed)
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