Zollgrenzen

Iren fürchten den Brexit

Nachdem die britische Regierung in dieser Woche Ideen vorgelegt hat, für eine Übergangszeit nach dem Brexit in einer Zollunion mit der EU zu verbleiben, reagieren Vertreter der Agrarbranche in der Republik Irland. Der dortige Bauernverband (IFA) weist darauf hin, dass bislang 40 Prozent der irischen Agrarexporte in das Vereinigte Königreich gehen. Die dortigen Farmer fürchten, dass der Brexit diese Vermarktung abschneidet.

Denn die neue EU-Außengrenze trennt Nordirland, das zum Vereinigten Königreich gehört, von der Republik Irland, die zur EU gehört. Wie diese Grenze gesichert werden könnte, beschäftigt zurzeit die Gemüter. Die Irish Times malt ein Schreckensszenario an die Wand, wenn keine Grenzkontrollen durchgeführt werden. Dann könnten über die  nordirische Hauptstadt Belfast US-Rindfleisch oder australisches Lamm in die Republik Irland fließen und von dort wiederum zollfrei nach Frankreich, Deutschland oder in andere EU-Länder exportiert werden.

Der irische Genossenschaftsverband ICOS befürchtet jedoch, dass die notwendigen Zollkontrollen eine beträchtliche Erhöhung der Bürokratie und der Kosten für die Wirtschaft bedeuten würden. Der Handel mit frischen Agrar- und Nahrungsmittelprodukten könnte durch Zollverzögerungen bedroht sein, und die Nord-Süd-Versorgungs- und Verarbeitungsketten in Irland würden schwer beschädigt.

Ohne Grenze jedoch sieht auch der ICOS das Risiko, dass Nordirland eine „Hintertür für Drittlandimporte“ werden könnte, die den EU-Vorschriften nicht gerecht und auf die die EU-Zölle nicht angewandt werden. (db)
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