Jean-Cleaude Juncker bei der Vorstellung seiner Kommissionsmitglieder
-- , Foto: EU-Kommission
Jean-Cleaude Juncker bei der Vorstellung seiner Kommissionsmitglieder

Jean-Claude Juncker, der designierte EU-Kommissionspräsident, sprach von einer „Revolution“, als er seine Kommissionskollegen vorstellte. Er dachte dabei wohl weniger an die personelle Besetzung, sondern an die neue Struktur. An der Spitze der 28 Kommissare stehen künftig neben dem Präsidenten sieben Vizepräsidenten.

Diese bekommen wesentlich weiter reichende Befugnisse als die Stellvertreter von José Manuel Barroso hatten. So müssen sich die anderen Kommissare mit ihnen erst ins Benehmen setzen bevor etwa ein Punkt auf die Tagesordnung der Kommission kommt. Bei der Besetzung der Vizekommissare hat Juncker den kleinen Länder und Osteuropa klar den Vorzug gegeben.

In der hiesigen Presse wird die neue Kommission überwiegend als Schlappe für Deutschland gewertet. „Junckers Köche, Junckers Kellner“ schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung und lamentiert, der deutsche Kommissar Günther Oettinger habe eine „recht wolkig definierte Zuständigkeit“, nämlich die für digitale Wirtschaft und Gesellschaft.

Während die Mittelbayerische Zeitung findet, dass mit dem Franzosen Pierre Moscovic als Zuständigem für das Währungsressort werde der „Bock zum Gärtner gemacht“ oder „das ist, als würde man den Kanarienvogel bei der Katze in Obhut geben“. Wenn Frankreich es nicht schaffe sein Haushaltsdefizit in Zaum zu halten, wie könne es da ein französischer Kommissar in der EU schaffen, entrüsten sich die Kommentatoren.

Die niederländische Zeitung de Volkskrant stellt fest: "Auffallend ist, dass die Kommissare politische Schwergewichte sind: Es wimmelt nur so von ehemaligen Regierungschefs und amtierenden Ministern, die nun nach Brüssel gehen. Das vergrößert die Chance auf eine schlagkräftige Kommission"

Die tschechische Zeitung Lidove Noviny bemerkt: "Juncker hat die großen EU-Staaten gefüttert, die kleinen besänftigt und vor allem genügend Kontrolle in seinen eigenen Händen behalten.“

Kein Kommentar zur Ernennung Hogans

Der Kommissar für Landwirtschaft, der Ire Phil Hogan, wird, obwohl er mit 40 Prozent den größten Etat im EU-Haushalt hat, kaum gewürdigt - außer natürlich in Irland. Doch um den Übermut bei irischen Farmern gleich zu bremsen, teilt der Irish Mirror seinen Lesern mit, Hogan werde die Landsleute nicht bevorzugen.

Der bisherige irische Umweltminister werde keinen grünen (irischen) Pullover sondern einen europäischen tragen, heißt es dort. In der Zeitung Independent wird der Job für den Iren als Triumph für das Land gefeiert. Gegenüber der Fachzeitschrift Agriland nannte er sogar schon seine Prioritäten. Das britische Farmer Journal heißt den neuen Kommissar jedenfalls „herzlich willkommen“.

Einziger Kommentar aus der deutschen Agrarbranche gab bislang Albert Deß, der agrarpolitische Sprecher der EVP-Fraktion. Er sagte im heimischen Wochenblatt, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Hogan. (hed)
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