Grüne Woche

Junglandwirte für mehr Dialog


Ob es überhaupt noch eine Landwirtschaft gibt, die von der Bevölkerung akzeptiert wird, diskutierten heute rund 500 Jungbauern auf dem BDL-Kongress „Ist die Landwirtschaft in Deutschland noch zeitgemäß?“. Auf der gemeinsam mit dem deutschen Bauernverband veranstalteten Tagung während der Grünen Woche stellte dessen Präsident Joachim Rukwied zu Beginn fest, dass die Fragestellung vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Kritik eine ganz andere sein müsse. Nämlich: „Ist die Art und Weise wie über die Landwirtschaft diskutiert wird heute noch zeitgemäß?“. Er betonte, dass Bauernfamilien nicht so sehr stigmatisiert werden dürften. 

Während des Kongresses des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) war das Dilemma schnell formuliert. Junge Landwirte wollen – oder müssen – wachsen, um sich zukunftsfähig zu halten. Gleichzeitig ist eben die Betriebsgröße der häufigste Kritikpunkt gegenüber der Landwirtschaft – siehe Stichwort Massentierhaltung. Der junge Landwirt Markus Santelmann betreibt Hähnchenmastanlagen mit insgesamt 80.000 Plätzen. Er erklärte auf dem Diskussionspodium seine Wachstumsentscheidung damit, dass sich eben erst ab einer gewissen Größe die Wirtschaftlichkeit einstelle. „Ob Du zehn oder 100 Kühe hast, die Struktur und organisatorische Arbeit ist die gleiche." Ein junger Landwirt aus dem Publikum betonte, dass doch die Sachkunde des Landwirts das entscheidende Kriterium für die Akzeptanz sein müsse und nicht die Größe.

Professor Wolfgang Bokelmann von der Berliner Humboldt-Universität riet als weiterer Podiumsgast den jungen Landwirten, zu versuchen, sich von der Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandes etwas unabhängiger zu machen, auch „wenn man das System nicht einfach umkrempeln kann.“ Aber es gebe doch funktionierende Beispiele wie Direktvermarktung oder Lieferdienste vom Landwirtschaftlichen Betrieb, der beispielsweise Kantinen versorge. Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) forderte die Junglandwirte auf, mehr Eigeninitiative an den Tag zu legen und sich besser zu organisieren. So könne man gemeinsam bessere Preise aushandeln und koppele sich ein wenig von dem Wachstumsdruck ab. Das wäre besser, als sich gegenseitig das Leben durch Pachtpreiserhöhung schwer zu machen. 

Das traf zwar auf weniger Zustimmung. Einig aber waren sich die Junglandwirte, dass auf die Kritik der Verbraucher eingegangen und (noch) mehr Dialogbereitschaft gezeigt werden müsse. (kbo)
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