Bundesamt für Naturschutz

Kehrtwende für den Artenschutz

Forderungen des BfN
  • Zahlungen an die Landwirtschaft konsequent nach dem Grundsatz „Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen". Finanzielle Mittel in ausreichender Höhe sind bereitzustellen.
  • Schaffung von Anreizen für eine naturverträgliche und standortangepasste Bewirtschaftung einschließlich der Sicherung von ökologischen Leistungen bei drastischer Reduzierung des administrativen Aufwands.
  • Sicherstellung eines Mindestmaßes an Biodiversität auch in Intensivregionen - unter anderem durch konsequente Einhaltung eines zu optimierenden ordnungsrechtlichen Rahmens.
In Agrarlandschaften leben immer weniger Insekten und Vögel, stellt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) im erstmals veröffentlichten Agrar-Report fest. Dies zeige, dass sowohl die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union als auch die nationale Umsetzung hinsichtlich der Erhaltung der Biodiversität versagt haben. „Sie leisten keinen substanziellen Beitrag, dem anhaltenden Verlust biologischer Vielfalt in den Agrarlandschaften entgegen zu wirken“, so das Urteil des BfN.

Teure Fehlentwicklungen

Als „völlig unzureichend“ bewertet das Bundesamt die Vorschriften für die ökologischen Vorrangflächen. Auf einem Großteil dieser Flächen würden Zwischenfrüchte und Leguminosen angebaut, die „keinen Mehrwehrt für die biologische Vielfalt bringen“, kritisiert Prof. Beate Jessel. Gemessen an den jährlich 1,5 Mrd. € Greening-Prämie „müssen die Vorrangflächen wie auch das Greening als solches daher als weitgehend wirkungslose und gleichzeitig zu teure Fehlentwicklung bezeichnet werden", stellt die BfN-Präsidentin fest.

Das BfN fordert deshalb eine „Kehrtwende in der GAP, die nur bei wirksamer Berücksichtigung von Naturschutzforderungen zukunftsfähig und gesellschaftlich legitimiert sein wird". Das BfN fordert zudem mehr Geld zum Schutz der biologischen Vielfalt. Denn nicht einmal die rechtlich zwingend vorgegebenen EU-Naturschutzrichtlinien ließen sich mit den vorhandenen finanziellen Mitteln erfüllen.

Beim Greening dominieren Leguminosen und Zwischenfrüchte. Blühstreifen werden selterer angelegt.
-- , Foto: Steffen Bach
Beim Greening dominieren Leguminosen und Zwischenfrüchte. Blühstreifen werden selterer angelegt.
Für seinen Agrar-Report hat das Bundesamt für Naturschutz die Ergebnisse aus verschiedenen Forschungsvorhaben zur Entwicklung der Natur in der Agrarlandschaft ausgewertet. Praktisch alle Tier- und Pflanzengruppen in der Agrarlandschaft seien von einem „eklatanten Schwund“ betroffen. Besonders deutlich werde dies bei Vögeln und Insekten. „Diese Entwicklung muss für uns alle alarmierend sein", mahnt Jessel. „Wir brauchen deshalb dringend eine Kehrtwende in der Agrarpolitik", fordert die BfN-Präsidentin.

Schmidt beklagt Alarmismus und Panikmache

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt reagierte verärgert auf den Report des BfN. „Schon wieder stellt eine Behörde aus dem Ressortbereich des Umweltministeriums die Landwirtschaft an den Pranger“, klagt der CSU-Politiker. Alarmismus und Panikmache sollten nicht die Kommunikation staatlicher Institutionen prägen. „Sogenannte Agrarexperten sollten anerkennen, dass wir in dieser Legislaturperiode mit dem Greening und dem neuen Düngerecht wichtige Schritte zum Arten- und Naturschutz auf den Weg gebracht haben“, fordert der Minister. Es sei schlichtweg unseriös, deren Nutzen für die Umwelt entweder nach zu kurzer Zeit - wie beim Greening - oder noch vor Umsetzung - wie im Düngerecht - komplett in Abrede zu stellen. (SB)
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