Das Ende der Milchquote bringt in Baden-Württemberg vor allem kleinere Betriebe in Bedrängnis. Agrarökonomen der Universität Hohenheim haben Landwirte in Baden-Württemberg gefragt, wie sie auf das Quotenende reagieren werden. „Große Milchviehbetriebe wie in Norddeutschland können leichter die Produktion erweitern. Doch kleine Bauern wie hier im Südwesten stehen schneller mit dem Rücken zur Wand“, befürchtet Pamela Lavèn vom Fachgebiet Agrarinformatik und Unternehmensführung an der Universität Hohenheim. Rund 61 Prozent der Betriebsleiter im Südwesten stünden dem Ausstieg aus der Milchquotenregelung skeptisch gegenüber.

Kosten senken und Effizienz erhöhen

Fast die Hälfte der Befragten (49,3 Prozent) plant, die Produktionskosten zu optimieren. Beinahe ebenso viele, 46,4 Prozent, wollen die Arbeitseffizienz verbessern. Eine Ausweitung der Milchproduktion ziehen 43,3 Prozent der Milchbauern in Erwägung. Aber andererseits kann sich fast jeder Dritte (28,9 Prozent) auch vorstellen, ganz aus der Milchviehhaltung auszusteigen. Das gelte vor allem für Betriebe im Schwarzwald.

Etwas anders sehe es aus, wenn zusätzliche Einkommensmöglichkeiten bestehen. In touristisch interessanten Gebieten etwa könnten die Landwirte Urlaub auf dem Bauernhof anbieten. Auch Direktvermarkter seien in einer besseren Lage, weil sich dann auch kleinere Herden lohnen könnten. Dem Strukturwandel dürfte der Wegfall der Milchquote jedoch Vorschub leisten, glauben die Wissenschaftler. „Eingriffe auf den Markt wie die Milchquote haben eine strukturerhaltende Wirkung“, erläutert Pamela Lavèn. Wenn sie wegfällt, werde der Wandel zu weniger, aber größere Betrieben beschleunigt.

Milchquotenende birgt auch Chancen

Dennoch sehen die Wissenschaftler im Quotenende auch Chancen für manche Bauern im Südwesten. Das gelte vor allem für die Betriebe, die das Potenzial zu einer Erweiterung haben, sowie für junge Betriebsleiter oder Betriebe mit guter Faktor-Ausstattung. Alle anderen seien gezwungen, über Alternativen nachzudenken. Sie könnten zum Beispiel auf Nebenerwerb umstellen. In Zukunft würden die Agrarförderprogramme eine noch größere Rolle spielen. Ausgleichszahlungen, Agrarinvestitionsförderung und Agrarumweltmaßnahmen empfänden viele Landwirte als wichtig. Ein wesentlicher Punk sei zudem für kleinere Betriebe die Vertragsgestaltung mit den Molkereien.

Neue Märkte im Visier

Mittelfristig dürfte die gesamte Milchmenge steigen und damit wohl auch die Notwendigkeit zur Ausweitung des Exports, meint Reiner Doluschitz, Inhaber des Lehrstuhls für Agrarinformatik und Unternehmensführung. Die Milchproduzenten müssten deshalb neue Märkte erschließen. Doch vor allem kleinere und mittelständische Genossenschaften zeigten sich diesbezüglich risikoscheu. Bei der Erarbeitung dieser Zukunftsmärkte könnten Allianzen oder eine Dachorganisation künftig hilfreich sein, rät der Wissenschaftler.

Für die Umfrage verschickte die Universität Hohenheim an 1.050 Betriebe in Baden-Württemberg Fragebögen, von denen die 372 beantwortet wurden. (az)
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