Grüne Woche

Kommunikation wird zum Produktionsfaktor


Für den Agrarökonomen Professor Matin Qaim von der Universität Göttingen hängt die Zukunft der Landwirtschaft heute zu einem bedeutenden Teil von der Kommunikation ab. Nicht der technische Fortschritt bestimme, wie in der Landwirtschaft gearbeitet werde. „Was sich durchsetzt ist zunehmend davon abhängig, was Nichtregierungsorganisationen (NGOs) denken“, erklärte er am Freitag auf dem Internationalen Wirtschaftspodium des Global Forums for Food and Agriculture (GFFA) anlässlich der Grünen Woche.


Die heutigen beiden Demonstrationen rund um Landwirtschaft und Nahrungsmittelerzeugung in Berlin unterstreichen diese Aussage. Da gibt es zum einen die aus vielerlei Protestbewegungen gespeiste Demonstration „Wir haben es satt“, die mit 30.000 Teilnehmern rechnet. Einen kommunikativen Gegenpool setzt die aus engagierten Landwirten hervorgegangene Demonstration "Wir machen Euch satt" heute um 9:00 Uhr vor dem Berliner Hauptbahnhof. Sie tritt vor allem dafür ein, dass Verbraucher nicht so sehr über, sondern vielmehr wieder mehr mit den Landwirten sprechen. 


Vor dem Hintergrund verbreiteter Technikskepsis und Anfeindungen gegenüber Landwirten sieht der niederländische Junglandwirt Joris Baecke auch die Politik in der Pflicht: „Der Zugang zu Land und Kapital sind die wichtigsten Voraussetzungen für junge Menschen, sich für den Beruf Landwirt zu entscheiden.“ Politiker müssten junge Landwirte unterstützen, damit sie den Job machen wollten. Man könne da nicht allein die Kräfte des Marktes wirken lassen, so Baecke. 


Zum Thema Kommunikation machte Dr. Jason Clay, Vizepräsident der NGO WWF, auf eine aktuelle Entwicklung aufmerksam. Mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke gebe es auf der Welt keinen geheimen Ort mehr. Um so entscheidender sei es, dass die Landwirtschaft im Dialog mit Andersdenkenden bleibe. (kbo)
stats