Wissenschaftlicher Beirat

Konsumenten entscheidend für Klimaschutz

Gutachten 2016
Die Wissenschaftlichen Beiräte für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) sowie für Waldpolitik (WBW) empfehlen in ihrem gemeinsamen Klimaschutzgutachten 2016 Maßnahmen von  Land- und Forstwirten sowie Verbrauchern, um bundesweite Emissionsziele einzuhalten. Das 482-seitige Gutachten wurde bereits im September vorgestellt, ist allerdings in der im Internet verfügbaren Version auf November 2016 datiert. (db)
Eine flächendeckende Verringerung der Produktionsintensität lehnen die Beiratsmitglieder angesichts der Knappheit von landwirtschaftlichen Flächen ab. Stattdessen empfehlen sie, die Stickstoffeffizienz der Düngung zu verbessern. Ein erster Schritt sei, das Düngerecht zu verschärfen und konsequenter durchzusetzen. Als nächster Schritt könnte eine Stickstoffabgabe folgen, sollten N-Überschüsse nicht hinreichend reduziert werden.

Bioenergieförderung beschränken

Die Bioenergieförderung wiederum sei auf sinnvolle Energielinien zu beschränken. Die Wissenschaftler nennen als Beispiele Kurzumtriebsplantagen oder Biogasanlagen, sofern sie bereits stehen und klimaeffizienter gestaltet werden. Neuanlagen sind nach Auffassung des Beirats nur bei Vergärung hoher Anteile von Gülle oder Reststoffen sinnvoll. Für Biokraftstoffe erkennen die Wissenschaftler dagegen „keinen eindeutigen Beitrag zum Klimaschutz“.

Das Gleiche gilt nach dem Urteil des Beirats für die Ausdehnung des ökologischen Landbaus oder einen verstärkten Anbau von Körnerleguminosen, um importiertes Soja zu ersetzen. Bei diesen Maßnahmen bestünde vielmehr die Gefahr, dass THG-Emissionen lediglich ins Ausland verlagert werden, weil der deutsche Importbedarf an Rohstoffen noch stärker ansteigt.

Höhere Mehrwertsteuer für tierische Produkte

Letztlich halten die Wissenschaftler Konsumveränderungen für die Erreichung der Klimaschutzziele für entscheidend. Es ginge nicht um die „Verringerung des Pro-Kopf-Verbrauchs, sondern um die Verlagerung des Konsums auf klimafreundlichere Lebensmittel“, versuchen die Beiratsmitglieder zu beruhigen. Sie lassen allerdings keinen Zweifel daran, dass der Verzehr tierischer Produkte sinken müsste. Dazu sollte Konsumsteuerung als Politikfeld etabliert werden. Konsumenten sollten verständlich über ein klimafreundliches Ernährungsverhalten informiert und zu Verhaltensänderungen motiviert werden. Im Falle des Fleischverzehr gehen die Wissenschaftler jedoch über Information und Motivation hinaus: Sie schlagen vor, tierische Produkte mit dem vollen Mehrwertsteuersatz zu belasten.

Regionale Erzeugung ohne nachweisbare Vorteile

Dagegen sehen die Wissenschaftler keinen generellen Beitrag für den Klimaschutz darin, wenn bevorzugt Ökoprodukte verzehrt werden. Auch frisch zubereiteten und in der Region erzeugten Lebensmitteln bescheinigen sie keine nachweisbaren Vorteile. Lediglich der Verzicht auf Produkte, die per Flugzeug transportiert werden, könnte dem Klima helfen. (db)
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