Niedersachsen

Kontroverse um Ringelschwänze


Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie zum Verzicht auf das Kupieren von Schwänzen bestätigen die Bedenken vieler Schweinehalter. In den 15 Versuchsdurchgängen war es nur einmal gelungen, dass mindestens 70 Prozent der Tiere mit einem unversehrten Ringelschwanz zum Schlachthof geliefert werden konnten. Teilweise wurden mehr als 90 Prozent der Tiere während der Mast zum Teil erheblich am Schwanz verletzt. Insgesamt kamen nur ein Viertel der unkupierten Schweine mit einem intakten Schwanz am Schlachthof an.

Dass der Agrarpolitische Sprecher der Grünen im Niedersächsischen Landtag, Hans-Joachim Janßen, die in Niedersachsen ausgelobte Ringelschwanzprämie trotz dieser Bilanz verteidigt, stößt bei der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) auf scharfe Kritik.

Branche sucht nach Lösungen

Für Empörung sorgte Janßen mit seiner Kritik am Vorgehen der Wissenschaftler, denen er ein „umstrittenes Untersuchungsdesign“ zur Last legte. Damit werde die Reputation des Studienleiters Prof. Thomas Blaha, Tierärztliche Hochschule Hannover, in Frage gestellt, der einer der renommiertesten Schweineexperten in Deutschland sei. Die Studie reihe sich nahtlos in die Ergebnisse von mehr als 20 weiteren Untersuchungen ein, die aktuell deutschlandweit mit ähnlichem Design an wissenschaftlichen Einrichtungen und auf Praxisbetrieben laufen. Das Studiendesign sei keinesfalls umstritten, wie Janßen daraufhin zu vermitteln versuchte.

„Wir arbeiten mit Hochdruck an Lösungen, aber bisher ist in keiner einzigen Studie der Durchbruch gelungen“, fasst ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack das Engagement der Branche zusammen. Kein Verständnis zeigt die ISN auch für Janßens Aussage, dass es beim Kupieren um mehr gehe als ein Stück Ringelschwanz, nämlich um die gesamte Frage der tiergerechten Haltung. Staack weist darauf hin, dass Schwanzbeißen in allen Haltungsformen vorkomme, auch auf Biobetrieben und selbst bei Wildschweinen.

CDU: Fiasko für Meyer

Mit der Vorstellung der Studie seien die Pläne einer „Ringelschwanz-Prämie" in der Schweinehaltung damit endgültig zum Fiasko für Landwirtschaftsminister Meyer geworden, erklärte der CDU Landtagsabgeordnete Helmut Dammann-Tamke. Die Studie belege, dass auch unter großen Anstrengungen und besonderer Beobachtung der Tierbestände das so genannte Schwanzbeißen massiv auftreten kann. (SB)
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