TTIP-Diskussion

Kontroverse um Schinken


Bringt Gemüter in Wallung
-- , Foto: Spezialitäten Gutscher
Bringt Gemüter in Wallung

„Wenn wir die Chancen eines freien Handels mit dem riesigen amerikanischen Markt nutzen wollen, können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen", sagt Schmidt in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel". Dieses bereits am Sonntag vorab gemeldete Zitat hat heftige Reaktionen hervorgerufen.

„Gegen den durchsichtigen Angriff der Bundesregierung auf die europäische Essens- und Genusskultur verwahren wir uns strikt. Spezialitäten wie der Schwarzwälder Schinken und die Schwäbische Maultasche stehen für eine lange und reiche kulinarische Tradition im Genießerland Baden-Württemberg“, konterte Agrarminister Alexander Bonde (Grüne) prompt.

Keine Nürnberger aus Kentucky

Schwer verdaulich
Kolumnist Franz-Josef Wagner widmete dem Schwarzwälder Schinken in der Bild-Zeitung einen ganzen Liebesbrief. „Du bist ja nicht nur ein Schinken“, heißt es da, und weiter: „Du schmeckst nach Tannen, Kuckucksuhren, sittsamen Frauen in Tracht. All das essen wir, wenn wir Schwarzwälder Schinken essen.“ Sollte jedoch der Schutz fallen, fürchtet Wagner, dass der Schinken künftig in Alabama, USA, hergestellt werden könnte. „Wir werden einen Schinken kauen, ohne den Duft der Wälder. Ohne die braven Hände der Schwarzwald-Arbeiter. Wir werden etwas kauen, was nicht unsere Heimat ist“, klagt der Bild-Zeitungs-Kolumnist. (db)
Auch in der Wirtschaft formierte sich Widerstand. „Regionale Spezialitäten müssen regionale Spezialitäten bleiben. Wir wollen keine Original Nürnberger Rostbratwürstchen aus Kentucky", sagte etwa Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), der „Bild-Zeitung“.

Nach vielen weiteren Protestäußerungen ruderte das Ministerium am heutigen Montag zurück. „Es geht dem Minister nicht darum, bestehende Kennzeichnungsregelungen abzuschaffen oder zu opfern, ließ ein Ministeriumssprecher erklären. „Mit ihm wird es keine Nürnberger Rostbratwurst made in Kentucky geben", antwortete er auf die Kritik der BVE. Vielmehr setzte sich der Bundesminister als „bekennender Regionalist“ dafür ein, dass die bestehenden Label und Kennzeichen verlässlich und verständlich seien.

Chlorhühnchen soll draußen bleiben

In einem anderen umstrittenen Punkt gibt Schmidt sogar Entwarnung. In der heutigen gedruckten Spiegel-Ausgabe berichtet er über ein Treffen mit dem US-Handelsbeauftragten Michael Froman in Washington. Der Amerikaner habe signalisiert, dass er bereit sei, im Handelsabkommen Ausnahmen für mit Chlor desinfizierte Hühnchen zu akzeptieren: „Ich habe den Eindruck, die USA haben verstanden, dass Chlorfleisch in Europa nicht vermittelbar ist", sagt Schmidt. Die US-Beamten hätten sich außerdem erstmals offen für eine Kennzeichnung von Gentechnik-Lebensmitteln gezeigt. (db)
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