Milchmarkt

Kontroversen am "Runden Tisch Milch"

Der „Runde Tisch Milch“ war im Oktober auf der Agrarministerkonferenz wegen der angespannten Situation am Milchmarkt beschlossen worden. Zu der Sitzung  hatte die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz als Vorsitzende der Agrarministerkonferenz nach Wiesbaden eingeladen. Vertreter der Landwirtschaft, der Molkereien, des Lebensmittelhandels und der Verbraucher waren mit den Vertretern der Länder und des Bundes zusammengekommen, um sich auszutauschen.

Arbeitsgruppe zur Milchmengenregulierung

Ein erstes Ergebnis: Eine offene Arbeitsgruppe soll sich mit dem durchaus strittigen Thema der Milchmengenregulierung beschäftigen. „Erste Lösungsvorschläge erwarten wir noch im Dezember“, erklärte Hinz gestern.  „Alle Beteiligten streben eine langfristige und nachhaltige Verbesserung der Situation für die deutschen Milchviehhalter an.“

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßte diesen ersten Schritt. Die Arbeitsgruppe von Ministerien und Verbänden solle nun konkrete Vorschläge prüfen und weiterentwickeln, die praktikabel, umsetzbar und wirksam seien, so Ottmar Ilchmann, stellvertretender AbL-Vorsitzender. „Vorschläge dazu liegen bereits auf dem Tisch, wie das Marktverantwortungsprogramm des European Milkboard EMB. Wichtig ist, dass wir zu konkreten Maßnahmen kommen, die den Milchbauern helfen, möglichst schnell aus der existenzbedrohlichen Krise herauszukommen und auch langfristig wirtschaftliche Perspektiven zu erhalten. Die Zeit drängt“, so der Milchviehhalter aus Ostfriesland.

DBV fordert Finanzmittel

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Bernhard Krüsken hingegen sprach sich für kurzfristig wirksame Lösungen für die Milcherzeuger aus. Aus Sicht des DBV sei es dringlich, kurzfristig die Liquiditätsengpässe auf den landwirtschaftlichen Betrieben abzumildern. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des russischen Importembargos auf europäische Lebensmittel seien weiterhin groß, betonte Krüsken.

Aktuell gelte es, zusätzliche Finanzmittel zur Aufstockung des Bundeszuschusses zur Landwirtschaftlichen Unfallversicherung bereitzustellen. Außerdem müssten die Ministerien und Verwaltungen der Bundesländer sicherstellen, dass die Direktzahlungen für die Landwirte vollständig noch in diesem Jahr ausbezahlt werden, forderte Krüsken.

Einigkeit gab es bei den Teilnehmern des Runden Tisches, dass alle Betriebsformen am Markt eine Chance haben sollen. Die Erhaltung einer flächendeckenden Milcherzeugung in Deutschland sei das Ziel. Die Fortsetzung der Gespräche am Runden Tisch Milch wird durch den Vorsitz der Agrarministerkonferenz im nächsten Jahr organisiert werden. (mrs)
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