Welthunger-Index

Kriege Hauptursache für Hunger


Nach Berechnungen der Welthungerhilfe sind weltweit rund 172 Millionen Menschen von bewaffneten Konflikten betroffen. Der neue Welthunger-Index der UN-Organisation stellt den engen Zusammenhang zwischen diesen Konflikten und dem Hunger dar. Hilfsorganisationen hätten kaum Zugang zu den Betroffenen und eine langfristige Lösung sei schwierig. Länder, in denen noch Krieg herrscht oder erst vor kurzem beendet wurde, weisen die höchsten Hungerwerte auf - wie etwa die Zentralafrikanische Republik, erklärt die Welthungerhilfe.

Jedes vierte Kind unterernährt
In 52 der 117 Länder, die im Welthunger-Index gelistet sind, ist die Lage ernst oder sehr ernst. In keinem Land wird die Hungersituation in diesem Jahr als "gravierend" eingeschätzt. Jedoch fehlen unter anderem Daten aus Burundi, Kongo, Eritrea, Somalia, Südsudan und Sudan, die in den Vorjahren hohe Hungerwerte vorwiesen. In Afrika südlich der Sahara und in Südasien sei die Lage weiterhin am kritischsten. Jedes vierte Kind weltweit ist aufgrund chronischer Unterernährung im Wachstum verzögert. 9 Prozent der Kinder sind aufgrund von akuter Unterernährung ausgezehrt. Fast die Hälfte aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren ist durch Mangelernährung begründet.

Flüchtlinge leiden am stärksten

„Konflikte wie in Syrien, dem Irak oder dem Südsudan sind die größten Hungertreiber", sagt Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe. Mehr als 80 Prozent der Flüchtlinge weltweit blieben in ihrer Heimat oder den Nachbarländern. Sie litten am stärksten unter der Gewalt und der aussichtslosen Situation. Unbemerkt von der Weltöffentlichkeit müssten sie täglich um Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung kämpfen. Nur wenn es gelinge, die Ursachen der bewaffneten Konflikte wie etwa in Syrien zu beseitigen, werden der Hunger langfristig besiegt, so Dieckmann.

Erfolge in vielen Ländern

Der neue Welthunger-Index 2015 zeige aber auch positive Entwicklungen. Die Entwicklungsländer hätten seit dem Jahr 2000 deutliche Fortschritte bei der Bekämpfung des Hungers gemacht. Insgesamt sind die Index-Werte zur Hungersituation dort um 27 Prozent gesunken. 17 Länder konnten ihren Hungerwert um mindestens 50 Prozent reduzieren - darunter Brasilien und Kirgistan. Auch Länder wie Angola, Äthiopien und Ruanda, die noch vor 20 Jahren blutige Bürgerkriege erlebt haben, zeigten, wie sich die Ernährungslage durch große Anstrengungen verbessern kann.

Der Welthungerhilfe-Index ist ein gemeinsamer Bericht von Welthungerhilfe, dem Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) und der irischen Nichtregierungsorganisation Concern Worldwide. (SB)
stats