Die Sensibilisierung und das Wissen über Antibiotika und resistente Keime sei sowohl bei den Tierärzten als auch bei den Tierhaltern stark gewachsen, betonte Christoph Kiefer, Präsident der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) bei einer Konferenz in Bern. Als Belege dafür nannte Kiefer unter anderem das Verbot von antimikrobiellen Leistungsförderern, das in der Tiermast bereits 1999 eingeführt worden ist, sowie die seit 2004 geltende Aufzeichnungspflicht aller Arzneimitteleinsätze, berichtet der Landwirtschaftliche Informationsdienst. Zudem seien in den letzten Jahren große Erfolge bei der Ausrottung von ansteckenden Krankheiten erzielt worden. „Durch die Tilgung solcher Krankheiten konnte der Antibiotikaeinsatz bereits stark reduziert werden”, sagt Kiefer, der selbst Mitinhaber einer Praxis für Klein- und Nutztiere ist.

Problem ganzheitlich angehen

Doch um Resistenzen zu verhindern, werden auch künftig Anstrengungen nötig sein. Die Tierärzte begrüßen deshalb auch im Wesentlichen die nationale Strategie gegen Antibiotikaresistenzen. Die Strategie sei allerdings zu stark auf Nutztiere fokussiert, auch sogenannte „companion animals” wie Pferde und Kleintiere müssen nach Ansicht des GST einbezogen werden, weil sie wegen ihrem nahen Kontakt zum Menschen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielten. Die Tierärzte fordern zudem, dass auch in der Humanmedizin Anstrengungen geleistet werden und eine Antibiotika-Datenbank für stationäre und ambulante Behandlungen aufgebaut wird. Lediglich stationäre Behandlungen zu erfassen, bringe nichts.

Risikofaktor Lebensmittelimporte

Als Risikofaktoren schätzt die GST auch den globalen Reise- und Personenverkehr sowie nicht zuletzt den Import von Lebensmittel ein. „Damit importieren wird gleichzeitig eine nicht zu unterschätzende Menge an resistenten Bakterien”, sagt Christoph Kiefer. In der Schweiz sei es zudem wichtig, dass eine Landwirtschaft gefördert wird, die eine tierfreundliche Haltung begünstigt. „Ein gutes Management und eine gute, möglichst stressfreie Haltung sind wichtig, damit die Tiere gesund bleiben und weniger Antibiotika benötigt wird”, sagt Corinne Bähler, Vorstandsmitglied der GST und Inhaberin einer Kälberpraxis. Bei den Kälbern wären ihrer Meinung nach kleinere Gruppen und als Optimum der Verbleib auf dem jeweiligen Geburtshof der Bekämpfung von Stress und Antibiotika-Resistenzen förderlich. Dies würde aber Auswirkungen auf die Produktion und auch den Preis haben, was wiederum zu mehr Importen führen könnte. Ein Zielkonflikt sei vorprogrammiert. Bähler stellt klar: „Was wir ganz bestimmt nicht wollen, sind mehr Fleischimporte.”

Weniger Therapien als in EU-Ländern

In der Schweiz sei die Situation im Vergleich zum Ausland sehr gut, sagt auch Franz Renggli, Präsident der Geflügelfachsektion der Gesellschaft. „Es wird sehr viel weniger Antibiotika eingesetzt als etwa in der EU”, so Renggli. Bei den Eidgenossen liege der Anteil des mit Antibiotika behandelten Geflügels bei 5 bis 15 Prozent, in der EU hingegen bei rund 90 Prozent. „Wenn die Strukturen stimmen, so kann man auch die erwünschten Erfolge erzielen”, ist sich Renggli deshalb sicher. (az)
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