Die Schweiz sollte Handelshindernisse abbauen und Direktzahlungen an Landwirte reduzieren, um die Wettbewerbsfähigkeit ihres Agrarsektors zu erhöhen. Die jüngste OECD-Studie zur Agrarpolitik in der Schweiz kommt zu dem Schluss, dass eine marktorientiertere Landwirtschaftspolitik die Herstellung von hochwertigen Produkten zu attraktiven Preisen begünstigen würde und so jene Teile der Schweizer Nahrungsmittelindustrie ankurbeln könnte, die mit einheimischen Rohstoffen arbeiten.

Zweigleisige Zahlungen empfohlen

Die Schweiz sollte ihren Marktschutz zurückfahren und das System der Direktzahlungen an Landwirte modifizieren, meint die OECD. Vorgeschlagen wird, künftige Zahlungen an Landwirte zweigleisig zu gestalten: Der erste Zweig sorge mithilfe eines differenzierten Direktzahlungsprogramms dafür, dass Güter und Dienstleistungen bereitgestellt werden, die den gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen. Dazu zählt zum Beispiel der Erhalt von Kulturlandschaften und von Artenvielfalt. Der zweite Zweig gebe potenziell wettbewerbsfähigen Erzeugern mehr Freiheit, ihre Produktion zu optimieren und auf Marktsignale zu reagieren. Dieser zweite Strang könne Elemente enthalten, die Strukturänderungen erleichtern, etwa die Stützung von Investitionen oder die Entwicklung von Ausstiegsstrategien. Die Stützungsmaßnahmen machten zurzeit etwa ein Prozent des Bruttoinlandprodukts aus und liegen damit mehr als doppelt so hoch wie im OECD-Durchschnitt.

Verbraucher profitieren von Preisangleichung

Eine Reform der Stützungsmaßnahmen könnte jene Sektoren der Schweizer Nahrungsmittelindustrie wettbewerbsfähiger machen, die in erster Linie von einheimischen landwirtschaftlichen Rohstoffen abhängen. Gelinge es, die Rohstoffkosten zu senken und gleichzeitig das Schweizer Markenimage für Kunden im In- und Ausland zu stärken, dann wäre das wahrscheinlich nachhaltiger, als der Versuch, die Branche vor den Wettbewerbskräften zu schützen. Die positiven Erfahrungen mit der Liberalisierung des Käsemarktes zwischen der Schweiz und der EU in Jahr 2007 und der Ausstieg aus der Milchquote in 2009 zeigten, dass sich der Landwirtschaftssektor an eine Marktöffnung anpassen kann. Der OECD zufolge würde eine weitere Preisangleichung für Agrarprodukte zwischen EU und der Schweiz zu Gewinnen für die Verbraucher führen, die etwaige Verluste für Landwirte und Steuerzahler mehr als ausgleichen. (az)
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