Geflügelpest

Kritik an „Trickserei“ im Südwesten

Die seit rund drei Monaten bundesweit geltende Stallpflicht für Geflügel stellt die Produzenten von Freilandeiern vor große Probleme. Nach 12 Wochen Stallpflicht verlieren die Eier ihren Status als Freilandware und müssen zu einem geringeren Preis als Bodenhaltungseier verkauft werden. In Deutschland haben sich alle Bundesländer auf ein einheitliches Vorgehen geeinigt, nur Baden-Württemberg geht eigene Wege.

Nach einem Tag Pause beginnt 12-Wochen-Frist erneut

Baden-Württembergs Agrarministerium hatte am 17. November 2016 eine Stallpflicht bis zum 31. Januar angeordnet, also für 11. Wochen. Mit dem Auslaufen der landesweiten Stallpflicht wurde am 31. Januar eine risikoorientierte regionale Aufstallung angeordnet, die für sechs Wochen bis zum 15. März gilt. Von ihr sind Geflügelhalter in den Kreisen Konstanz, Bodenseekreis, Ravensburg, Biberach, Sigmaringen sowie in einem 500 Meter Streifen entlang der Donau, des Rheins und des Neckars betroffen. Die zweite Stallpflicht gilt aber erst ab dem 2. März, sodass am 1. März alle Tiere für einen Tag den Stall verlassen dürften. Danach beginnt die 12-Wochen-Frist von neuem und sie können ihre Eier weiter als Freilandware kennzeichnen. Für die Betriebe mit Freilandhaltung ist dieser eine Tag Auslauf Gold wert. Der Unterschied zwischen Bodenhaltungs- und Freilandhaltungs-Eier beträgt rund 4 Cent/Ei.

Meyer: Vorgehen möglicherweise nicht EU-konform

Das Vorgehen im Südwesten sorgt in anderen Bundesländern für Unverständnis und Proteste. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) wirft seinen Kollegen Peter Hauk (CDU) vor zu tricksen. „Das Vorgehen könnte eine Täuschung darstellen und ist möglicherweise nicht EU-konform“, warnt Meyer. Gemeinsam mit dem Landwirtschaftsminister aus Mecklenburg-Vorpommern Till Backhaus hat sich Meyer an das Bundeslandwirtschafsministerium gewandt, um den Vorgang zu prüfen. Wenn der Bund das Vorgehen in Stuttgart für rechtens hält, sei er bereit, dies auch den niedersächsischen Landkreisen zu empfehlen.

Noch keine Fälle bei Nutzgeflügel

In Stuttgart hat man kein Verständnis für die Aufregung. Baden-Württemberg sei weit weniger stark von der Geflügelpest betroffen als die norddeutschen Länder. In Geflügelbeständen sei das Virus H5N8 bisher noch nicht nachgewiesen worden und die Wildvögel-Fälle konzentrierten sich im Süden am Bodensee, begründete das Ministerium sei Vorgehen. (SB)
stats