Rinderexporte

Kritik an langen Transportzeiten

Wenn lebende Rinder exportiert werden, sind die Viehtransporter häufig tagelang unterwegs. Eine kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis/90 Die Grünen ergab, dass sich die Transportzeiten in den vergangenen Jahren weiter verlängert haben und mehr Transporte abgewickelt wurden.

Die Bundesregierung bezog sich in ihrer Antwort auf Daten aus dem Trade Control and Expert System (TRACES). Danach ist die Zahl der angemeldeten Transporte nach Russland 2016 bis 2016 von 22 auf 305 gestiegen. Die Transporte in den Libanon nahmen im gleichen Zeitraum von 107 auf 331 zu. Besonders stark war der Zuwachs bei den Rinderexporten in die Türkei. Dort stieg die Zahl von 90 auf 997 Fahrten. Wie viele Tiere dabei exportiert wurden geht aus der Statistik nicht hervor.

Zahl der Transporte in die Türkei verzehnfacht

Verlängert hat sich offenbar auch die Transportdauer. Die voraussichtliche Transportzeit müssen die Exporteure vor Antritt der Fahrt in die Datenbank eingeben. Danach verlängerten sich die geplanten Transportzeiten in die Türkei von 42 auf knapp 68,6 Stunden und die nach Russland von 27,5 auf 37,3 Stunden. Die geplanten Fahrzeiten in den Libanon erhöhten sich um 1,1 Stunden auf 49,7 Stunden. Unklar ist, ob die in der Datenbank erfassten Zeiten eingehalten wurden. „Zur tatsächlichen Dauer der Transporte liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor“, heißt es in der Antwort an die Grünen. Der Transport von lebenden Schweinen in Länder außerhalb der europäischen Union spielt keine große Rolle. 69 Transporte gingen nach Serbien, bei einer durchschnittlichen geplanten Fahrzeit von 27,1 Stunden.

Kritik von Tierschutzbund und Grünen

Die Fraktion Bündnis90/Die Grünen macht Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt für die gestiegenen Transportzeiten verantwortlich. „Der Boom der Langstreckentransporte von Rindern ist die dunkle Seite der knallharten Exportstrategie von Minister Schmidt“, erklärte der agrarpolitische Sprecher der Fraktion Bündnis/90 Die Grünen, Friedrich Ostendorff. Schmidt hatte vor drei Jahren eine Begrenzung der Transportdauer in der EU gefordert, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. „Die Gesetzgebung lässt bei Tiertransporten noch immer zu viel Tierqual zu“, kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes die Statistik. Er fordert die EU zum Handeln auf. Notwendig sei eine Begrenzung der Transportzeiten und bessere Bedingungen auf den Transporten mit strengeren, engmaschigeren Kontrollen und Sanktionen bei Verstößen. (SB)
stats