Die Novelle der Düngeverordnung sieht vor, dass Harnstoff auf unbestellten Flächen wie organische Dünger binnen vier Stunden eingearbeitet werden soll. Damit wird Harnstoff hinsichtlich der Stickstoff (N-) Effizienz und Verlustpotenzial der Gülle gleichgesetzt. Dies sei aus fachlicher Sicht nicht zu begründen, teilt die SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH gegenüber agrarzeitung.de mit.

Kommt es zu dieser Neueinstufung, entstünde in Folge Verdrängung der Harnstoffdünger vom Markt. Eine solche Entwicklung könne nicht im Sinne von Landwirtschaft und Politik sein, denn sie träfe ausgerechnet die Produktgruppe, die im Hinblick auf Nitrat- und Lachgasverluste das größte Minderungspotenzial aufweise.

Einsatz in kritischen Zeiträumen

SKW beruft sich auf Versuchsergebnisse, wonach Harnstoff ein deutlich geringeres Ammonaik-Verlustpotenzial habe als Gülle. Die entsprechenden N-Verluste liegen in allen offziellen Messergebnissen in Deutschland deutlich unter zehn Prozent. Zahllose Feldversuche der SKW-Ressortforschung belegen die Wirkungsgleichheit von Harnstoff und anderen mineralischen Stickstoffformen.

Obwohl ein wesentliches Ziel der Düngeverordnung die Verringerung von Nitrateinträgen in Gewässer sei, befördere die Benachteiligung von Harnstoff nunmehr diejenigen Mineraldünger, die gerade solche Einträge verstärkt verursachen. Außerdem werden in Folge der Regelung nun auch die nitrifikationsinhibierten Dünger auf Harnstoffbasis behindert, denen von der agrar- und umweltwissenschaftlichen Forschung gerade im Hinblick auf den Einsatz in kritischen Zeiträumen wie vor und nach der gesetzlichen Sperrfrist ein sehr hohes verlustminderndes Potenzial attestiert wird. In der landwirtschaftlichen Praxis sind solche Spezialdünger weit verbreitet, heißt es bei SKW. (da) 
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