Tierwohllabel

Kritik von allen Seiten

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt stößt mit dem Tierwohllabel auch in den eigenen Reihen auf Skepsis.
-- , Foto: BMEL/Holger Groß
Landwirtschaftsminister Christian Schmidt stößt mit dem Tierwohllabel auch in den eigenen Reihen auf Skepsis.

Nachdem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) die Tierwohllabel-Kriterien für Schweinefleisch vorgestellt hat, hagelt es von allen Seiten Kritik. Dem Tierschutzbund gehen die Vorgaben nicht weit genug. Verbandspräsident Thomas Schröder kritisierte im Gespräch mit der neuen Osnabrücker Zeitung, die benannten Kriterien blieben zu nah am gesetzlichen Standard. „So schafft man keinen nachhaltigen Tierschutz im Stall“, beklagt Schröder. Der Minister habe den Label-Prozess zu spät gestartet und sich damit selbst in Bedrängnis gebracht. Schmidt habe für sich entschieden, wie er es macht, dafür müss er auch allein die Verantwortung übernehmen, stellt Schröder fest.

Holzenkamp fordert Finanzierungskonzept

Kritik an Schmidts Plänen kommt auch aus der Union. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Franz-Josef Holzenkamp sieht viele Fragen unbeantwortet. So sei unklar, wie das Vorhaben konkret umgesetzt werde und wer es finanzieren soll. „Sollten Berechnungen zutreffen, wonach 20 Prozent Mehrkosten anfallen, werden für die Umsetzung des Labels mehr als 1,5 Mrd. € pro Jahr benötigt“, stellt Holzenkamp fest. „Diese Mehrkosten werden am Markt nicht zu erzielen sein“, befürchtet der Agrarpolitiker. Eine mehrheitliche Beteiligung der Landwirte sei nur möglich, wenn es ein verbindliches Finanzierungskonzept gebe. Das Label solle Branche und Gesellschaft nicht verunsichern, sondern zur Lösung des Konfliktes beitragen, mahnt Holzenkamp.

Verzahnung mit Initiative Tierwohl

Der Deutsche Bauernverband (DBV) fordert „kurzfristig Klarheit zur Organisationsform" herzustellen. Der DBV will das Label mit der Brancheninitiative Tierwohl (ITW) verzahnen, denn sonst werde das Label große Schwierigkeiten haben, über eine Marktnische hinaus zu kommen. Die in Medienberichten genannten 20 Prozent Mehrkosten durch die Kriterien des Tierwohl-Labels dürften nach DBV-Einschätzung nicht ausreichen.

AbL will höhere gesetzliche Standards

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Niedersachsen wirft Schmidt vor, mit dem Tierwohl-Label von der Umsetzung eines Tierschutzplans abzulenken. Der niedersächsische Tierschutzplan biete hierfür eine gute Vorlage, zum Beispiel mit einem Verbot des Kürzens der Schwänze und dem Gebot eines Zugangs der Tiere zu Stroh. Höhere gesetzliche Standards haben aus Sicht der AbL den Vorteil, dass so „flächendeckend und zwingend akzeptable Tierwohl-Vorschriften geschaffen“ würden.

Das Landwirtschaftsministerium teilte am Donnerstag mit, dass die Arbeit für ein Tierwohllabel wie geplant fortgesetzt werde. Zu den nächsten Schritten zählten der organisatorische Aufbau, Eckpunkte für notwendige Rechtssetzungsmaßnahmen und weitere Gespräche mit der Geflügelwirtschaft, erklärte ein Ministeriumssprecher. Der Ausstieg des Tierschutzbundes sei mit Bedauern zur Kenntnis genommen worden.  (SB)
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