Öffentlichkeitsarbeit

Kühe "posten" auf Facebook

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Die Idee ist faszinierend: Die Sensordaten einer Kuh werden an einen Textroboter angeschlossen und geben so dem Verbraucher live einen Eindruck vom Befinden des Tieres. Der WDR hat die Idee in seinem gestern gestarteten Projekt "Superkühe" aufgegriffen

Rinder verschiedener Haltungsformen liefern Daten aus ihren Herdenmanagementsystemen. Zusätzliche Sensoren geben Informationen über Luftfeuchtigkeit und Stalltemperatur, ein Pedometer zählt die zurück gelegten Schritte. Darüber hinaus dokumentiert der Bolus die Körperinnentemperatur, den Pansen-pH-Wert, das Trinkverhalten und die Bewegungsaktivität der Tiere. Und er schickt Warnmeldungen bei gesundheitlichen Problemen – aber auch, wenn die Kalbung beginnt.

Zu viel versprochen

Die neue Sensorstory-Live-Technologie verleiht drei Kühen eine Stimme. Jeder kann jederzeit Kontakt zu ihnen aufnehmen", heißt es auf der WDR-Seite. Doch leider verspricht das Projekt mehr, als es halten kann. Denn natürlich lässt sich nicht direkt mit den Tieren chatten. Die Kommunikation basiert auf einer bot-gestützten Programmierung. Fragen und Antworten sind in Textbausteinen vorgegeben. Und so kommt bei individuelleren Anfragen schnell die Superkuh-Fehlermeldung: "Manchmal verstehe ich nur "muh". Aber ich tue mein Bestes."
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Vielfalt zeigen

Dennoch kann das Projekt interessante Einblicke in die Landwirtschaft liefern. Denn über die drei Kühe Emma, Connie und Nr. 71 werden drei verschiedene Haltungssysteme gegenübergestellt. Emma repräsentiert einen konventionellen Familienbetrieb, Connie ist Teil einer 750-köpfigen Herde und Nr. 71 gibt Bio-Milch. Hofberichterstatter verfassen täglich Einträge im Kuh-Tagebuch und visualisieren die gemessenen Sensordaten. Der WDR will somit zeigen, aus welchen unterschiedlichen Quellen Milch stammen kann.

Projekt polarisiert

Das Projekt wird stark beachtet. Schon wenige Stunden nach dem Start hat die Facebook-Seite 6000 Abonnenten. Die Resonanz fällt sehr gemischt aus. "So Freunde der Eitersekretion und Leichenteile" , eröffnet beispielsweise Bettina Fritzsch ihren Facebook-Eintrag. Andere wittern Propaganda der Milch-Lobby. Die Moderatoren geben sich die größte Mühe, die Wogen zu glätten: "Hier äußern sich viele, die eine feste, sehr entschiedene Meinung haben. Aber es gibt bestimmt auch ganz viele, die erst einmal schauen möchten, wie es vielen Milchkühen geht und wie Milcherzeugung überhaupt funktioniert. Und für die machen wir dieses Projekt", heißt es dort auf Facebook. Die positiven Kommentare überwiegen allerdings. (kbo)


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