Geschlechtserkennung

Kükentöten bald Geschichte

Hahn oder Henne? Minister Schmidt erfährt gleich das Ergebnis der Geschlechtsbestimmung.
-- , Foto: Steffen Bach
Hahn oder Henne? Minister Schmidt erfährt gleich das Ergebnis der Geschlechtsbestimmung.
Acht bis zehn Tage müssen die Embryonen im Ei reifen, dann kann das Geschlecht der künftigen Küken mit einer hohen Sicherheit vorhergesagt werden. In einer Brüterei in Großenkneten bei Oldenburg wird seit einiger Zeit ein Prototyp zur Geschlechtsbestimmung einem Praxistest unterzogen. Die bisherigen Ergebnisse seien vielversprechend, erläuterte Prof. Almuth Einspanier von der Universität Leipzig beim Besuch von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Sowohl bei der Genauigkeit als auch bei der Geschwindigkeit des Tests seien weitere Fortschritte gemacht worden. Untersuchungen hätten zudem ergeben, dass der Test weder die Schlupfrate noch das Aufwachsen der Junghennen negativ beeinflusse.

Zwei Verfahren im Test
Für die Bestimmung des Geschlechts gibt es eine weitere, noch nicht praxisreife Methode.
Die spektroskopische Geschlechtsbestimmung basiert darauf, dass bei Vögeln die männlichen Geschlechtschromosomen größer sind als die weiblichen. Diesen Unterschied nutzen die Forscher für eine lichtgestützte Analyse, bei der sie mit einem Laser zunächst ein Loch in die Eierschale bohren. Anschließend leuchtet ein Lichtstrahl ins Ei, der die kernhaltigen Blutgefäße im drei Tage alten Embryo erfasst. Das gestreute Licht weist abhängig davon, ob weibliche oder männliche Geschlechtschromosomen vorliegen ein charakteristisches Spektrum auf, woraus auf das Geschlecht geschlossen werden kann. Welches der beiden Verfahren sich durchsetzt, soll sich in der Praxis zeigen. (has)
In der Maschine wird dem Ei mittels einer feinen Injektionsnadel Flüssigkeit entnommen, anhand derer mit einem Marker das Geschlecht des künftigen Kükens bestimmt werden kann. Das endokrinologische Verfahren habe das Potenzial, in den nächsten Jahren die Praxis des Tötens von männlichen Legehennenküken zu überwinden, ist die Wissenschaftlerin zuversichtlich. Schmidt zeigte sich erfreut darüber, dass Deutschland so dem Ziel näher komme, das Töten männlicher Küken aus den Legehennenrassen zu beenden.

Keine Aussagen zum Termin

An Spekulationen darüber, wann genau ein Serienmodell auf den Markt kommt, wollten sich Schmidt und Einspanier nicht beteiligen. Frühere Aussagen Schmidts, dass bereits 2017 aus dem Kükentöten ausgestiegen werden könnte, hatten sich als zu optimistisch herausgestellt. In Großenkneten meinte Schmidt, dass jedes Jahr Ostern gefeiert werde und es nicht mehr viele Osterfeste dauern sollte.

Klar sei aber, dass das Kükentöten unterleiben müsse, sobald es dafür eine Alternative gebe. Denn dann entfalle der im Tierschutzgesetz geforderte „vernünftige Grund“ für das Töten der männlichen Tiere. Die aussortierten männlichen Bruteier werden hygienisiert und weiterverarbeitet. Die Schalen werden in der Legehennenfütterung verwendet. Aus dem Inhalt der Eier kann proteinreiches Tierfutter hergestellt werden, beispielsweise für Zierfische. (SB)
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