"Die Ernährungsindustrie ist einer der wichtigsten Säulen einer modernen, offenen Gesellschaft", sagt BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. "Mit Sorge" betrachte er die politischen und gesellschaftlichen Debatten, in denen dies nicht angemessen berücksichtigt werde. Wenn etwa ein Grünbuch die Leitlinien für die zukünftige Ernährungspolitik vorgebe, die Ernährungsindustrie darin aber nicht vorkomme, sei das enttäuschend.

Margen bleiben eng
Zu einer Konjunkturprognose für 2017 äußern sich Unternehmen der Ernährungsindustrie in einer aktuellen BVE-Umfrage verhalten optimistisch. Besser als im Vorjahr fallen für 2017 die Umsatzerwartungen aus: Sowohl im In- als auch im Auslandsgeschäft erwarten 60 Prozent der Befragten höhere Umsätze. Dieser Optimismus überträgt sich jedoch nicht in gleichem Maße auf die Gewinnprognose, hier erwarten nur 25 Prozent eine Verbesserung. Über die Hälfte der Umfrageteilnehmer erzielte in den vergangenen drei Jahren nur eine Renditequote von eins bis zwei Prozent oder weniger. Der Wettbewerb bleibt hart: 93 Prozent glauben daran, dass Kostensteigerungen nur bedingt an den Handel weitergereicht werden können. (got)

Verlässlichkeit, Nachvollziehbarkeit, Verantwortungsbewusstsein

Der Staat setze sich zwar bereits ein. Was jedoch fehle, sei eine Strategie, um die wesentliche Wertschöpfung sowie die gut 600.000 Arbeitsplätze in der Ernährungsindustrie am Standort Deutschland im immer härter werdenden Wettbewerb zu sichern, sagt Minhoff: "Verbraucher und Unternehmen brauchen verlässliche, nachvollziehbare und maßvolle Rahmenbedingungen, um verantwortungsbewusst Kauf- oder Investitionsentscheidungen treffen zu können"

Wichtig könnte das steigende Informationsbedürfnis der Verbraucher werden. Der Kundendialog über Internet und Social-Media-Kanäle ist für Unternehmen von immer größerer Bedeutung. Eine Umfrage von BVE und AFC in der Branche zeigt, dass 90 Prozent der Unternehmen eine Zunahme der Verbraucheranfragen feststellen. Eine wichtige Rolle im Kundendialog spielen bereits heute, vor allem aber auch in der Zukunft, das Internet und die Social-Media-Kanäle.

In Zukunft vermehrt Fragen zum Thema "Nachhaltigkeit"

Pro Tag erhalten 51 Prozent der Unternehmen zwischen ein und zehn Anfragen, 14 Prozent sogar mehr als 50. Knapp 40 Prozent der Lebensmittelhersteller beantworten Kundenanfragen innerhalb von 24 Stunden, 56 Prozent innerhalb von drei Tagen. Die häufigsten Fragen erreichen Unternehmen zu Qualitätsunterschieden, Kennzeichnung und Verpackung. In Zukunft erwartet die Mehrzahl der Unternehmen vermehrt Fragen zum Thema "Nachhaltigkeit".

Für mehr Kommunikation mit dem Verbraucher engagieren sich darüber hinaus die Spitzenverbände BVE und BLL auch im Rahmen ihrer Standpräsenz auf der Internationalen Grünen Woche in diesem Jahr. Unter dem Motto "Dialog Lebensmittel" klären sie Verbraucher interaktiv über Lebensmittel und ihre Produktionswege auf. Im Fokus stehen die Themen "Lebensmittelverschwendung" und "Mindesthaltbarkeitsdatum", zu denen die beiden Verbände interessierten Verbrauchern Rede und Antwort stehen werden. (got)
stats