Mit einer Ergänzung des Tierschutzgesetztes will der Bundesrat das Töten von männlichen Küken beenden.
-- , Foto: Steffen Bach
Mit einer Ergänzung des Tierschutzgesetztes will der Bundesrat das Töten von männlichen Küken beenden.

Der Bundesrat fordert, das Töten männlicher Eintagsküken in der Legehenneproduktion zu verhindern. Da die männlichen Küken der Legelinien nur wenig Fleisch ansetzen, werden sie bisher gleich nach dem Schlupf aussortiert und getötet. In einem heute beschlossenen Gesetzentwurf schlagen sie daher vor, eine Ergänzung in das Tierschutzgesetz aufzunehmen, die es künftig verbietet, Wirbeltiere ohne vernünftigen Grund zu töten. Die bisherige Praxis soll nach dem Entwurf nur noch bis Mai 2017 zulässig sein.

Der Bundesrat geht davon aus, dass allein im Jahr 2014 rund 45 Millionen männliche Hühnerküken getötet wurden, weil sie geschlechtsbedingt nicht für die Eierproduktion zu verwenden sind. Diese bislang geduldete Tötungspraxis sei mit der Grundkonzeption des Tierschutzgesetzes jedoch nicht vereinbar.

Als nächstes wird der Gesetzentwurf der Bundesregierung übersandt, die ihn innerhalb von sechs Wochen an den Deutschen Bundestag weiterleitet. Danach soll eine Entscheidung fallen.

NRW setzt sich durch

Damit hat der Bundesrat einem Antrag aus Nordrhein-Westfalen zugestimmt, berichtet das nordrhein-westfälische Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Das Bundesland habe die Debatte um ein Verbot bereits im September 2013 ins Rollen gebracht. Im Frühjahr 2015 klagten dann einige Brütereien gegen ein Tötungsverbot. Daraufhin habe das Verwaltungsgericht in Minden ein Verbot für unzulässig erklärt. Ein Töten aus ökonomischen Gründen sei gerechtfertigt.

Der nordrhein-westfälische Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Grüne) begrüßte die Entscheidung der Länderkammer und forderte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auf, unverzüglich ein Gesetz zum Ausstieg aus der Kükentötung vorzulegen.

Schmidt: Kein Verbot ohne Alternative

Schmidt entgegnet, dass er ebenfalls das Ziel verfolge, das Töten männlicher Eintagsküken bis 2017 zu verhindern. Das sei Bestandteil seiner Tierwohloffensive „Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr Tierwohl“. Er betont allerdings, dass er dazu den Weg der Forschung gewählt habe. Er wolle den Geflügelerzeugern eine praxistaugliche Alternative zum Kükentöten bieten. Ein Verbot ohne Alternative würde die Geflügelhaltung lediglich ins Ausland verlagern. Dort hätte man keinen Einfluss auf Fragen des Tierwohls. Sondern würde sich lediglich abhängig vom Import machen.

Um sein Ziel zu erreichen unterstütze er das Forschungsprojekt der Universität Leipzig finanziell. Die Forscher arbeiten an einem industriell nutzbaren Prototyp, der das Geschlecht bereits am 3. Entwicklungstag des Embryos im Ei erkennt. (has)
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