Mit großer Sorge verfolgt der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft (OA) die politische und wirtschaftliche Entwicklung in der Ukraine. Die Wirtschaftsleistung des Landes mit 45 Millionen Einwohnern entspreche nur noch jener des Bundeslandes Schleswig-Holstein, so OA-Geschäftsführer Prof. Rainer Lindner heute in Berlin. Und sie nehme weiter ab, führte er aus. Aktuell werde für das Land ein weiterer Rückgang um 9 Prozent für das laufende Jahr prognostizert. Die Exporte der Ukraine nach Russland würden "massiv einbrechen und trotz einseitiger Handelsvergünstigungen im Rahmen des Assoziierungsabkommens mit der EU kommen Ausfuhren in die EU nicht in Gang, so Lindner.

Im Land herrsche ein andauernder Unruhezustand. Auch nach Abschluss des Abkommens "Minsk 2" seien noch mehr als 1.000 Menschen durch Kampfhandlungen ums Leben gekommen. Die Zahl der Binnenflüchtlinge im Land bezifferte Linder mit mehr als 1,2 Millionen Menschen, akut hilfsbedürftig seien mehr als 3 Millionen Bürger. Die Gaspreise hätten sich innerhalb kurzer Zeit verzehnfacht und stellen eine extreme Belastung für die Verbraucher dar. Das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Ukraine bezeichnete Lindner als "völlig gebrochen". Immer noch gebe es rund 600 deutsche Unternehmen in der Ukraine. Doch nahezu alle nähmen derzeit eine neue Riskobewertung vor. Entscheidungen über die Fortführung ihrer Aktivitäten seien bis zum Jahresende zu erwarten. Und eine Rückzahlung bald fälliger hoher Schulden an Russland sei ohne Unterstützung aus dem Ausland nicht möglich, ergänzte er. Angesichts dieser Entwicklungen sei es schwer nachvollziehbar, dass die Ukraine bei den politisch Verantwortlichen offenbar nur eine geringe Aufmerksamkeit erhalte. (jst)
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