Bild-Zeitung

Landwirte befeuern Redaktion


Ein schräger Vergleich zwischen Bio und konventionell
-- , Foto: kbo
Ein schräger Vergleich zwischen Bio und konventionell

Die gestrige Ausgabe der Bildzeitung hat für unverzügliche und heftige Reaktionen in der Landwirtschaft gesorgt. Das Echo reicht von der Einschaltung des Presserates bis zur Befeuerung der Bild-Redaktion mit E-Mails und Anrufen.

Die beiden Reporterinnen Anne Holstein und Stefanie May hatten konventionelle und biologisch erzeugte Lebensmittel eingekauft. Beim Preisvergleich stellten sie fest, dass die Bio-Ware teurer ist. In ihrem Artikel gehen sie der Frage nach, warum das so ist. Eine Antwort – und vor allem an dieser entzündet sich der Ärger – lautet:  „Damit sich die Euter der Kühe nicht entzünden, mischen herkömmliche Landwirte vorbeugend jeden Tag Antibiotika ins Futter, das zu einem Teil in die Milch übergeht."

Zahnloser Tiger
Der Presserat setzt sich für die Berufsethik von Journalisten ein. Er hat einen Kodex für saubere journalistische Arbeit formuliert. Wird dagegen in der Berichterstattung verstoßen, kann jedermann Beschwerde einlegen. Es gibt ein eigenes Formular.
Der Presserat ist zwar eigentlich ein zahnloser Tiger. Die schlimmste Waffe ist die Erteilung einer Rüge. Dennoch hat seine Einschaltung eine beachtliche öffentliche Wirkung. Darauf setzt auch der Bauernverband in Schleswig-Holstein. (kbo)
"Der Artikel reicht in seiner Sachlichkeit nicht einmal an unteres Grundschul-Niveau heran. Die Aussagen im Artikel sind zum größten Teil in den Bereich der Märchen zu verweisen“, empört sich beispielsweise Landwirt Thomas Fabry, der das Internetportal „Massentierhaltung aufgedeckt“ betreibt. Das Landvolk Niedersachsen reagiert mit einem offenen Brief an die Chefredaktion.

Sönke Hauschild vom Bauernverband Schleswig-Holstein hatte derweil auf der Facebookseite des Verbandes die Telefonnummer der Hamburger Redaktion veröffentlicht. Von dieser Nummer hätten empörte Landwirte so rege Gebrauch gemacht, dass ein Bild-Vertreter ihn bat, diese Information zu entfernen. "Das habe ich nur unter der Bedingung gemacht, dass sie mir eine Ersatz-Nummer nennen", sagt Hauschild.

Nach einem Telefonat mit einer der beiden Redakteurinnen wird der Bauernverband jetzt eine Beschwerde beim Presserat einreichen. "Die Bild-Redakteurinnen May und Holstein sind dem Pressekodex verpflichtet", sagt Hauschild. Strafrechtlich könne man leider nicht dagegen vorgehen, erklärt er. Das wäre nur möglich wenn eine einzelne Person diffamiert würde. Hier gehe um die Bloßstellung einer Berufsgruppe. "Aber wir werden aktiv die Öffentlichkeit mobilisieren", sagt Hauschild. "Eine versuchsweise Richtigstellung reicht uns nicht. Ich will die Quellen für diesen Artikel sehen." 


In der heutigen Ausgabe hat die Bild-Zeitung mit einer Kurzmeldung. "In eigener Sache" reagiert und die NGO "Germanwatch" als Recherchequelle genannt.(kbo)
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