Schleswig-Holstein

Landwirte wollen Veränderungen gestalten

Mach monatelangen verbandsinternen Diskussionen hat die Verbandsspitze das Positionspapier „Veränderungen gestalten in der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft" in dieser Woche in Kiel vorgestellt. „Das Papier ist realistisch und angemessen und richtet sich nach innen", erklärte Präsident Werner Schwarz. Es sei ausdrücklich kein Katalog mit Forderungen an die Politik, betonte Schwarz, der auch Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) ist. Ziel der Landwirte sei es, eine ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltige Landwirtschaft in Schleswig-Holstein sicherzustellen. Dazu zählt der Erhalt wirtschaftlich leistungsfähiger Betriebe und die Sicherung der Nahrungsmittelproduktion ebenso wie der Erhalt einer intakten Umwelt sowie tiergerechte Produktion und die Erzeugung von hochwertigen und gesunden Lebensmitteln.

Düngung am Pflanzenbedarf ausrichten

Bei der Düngung seien stets der Pflanzenbedarf und die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit die ausschlaggebenden Größen. „In keinem Fall darf die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern der Entsorgung dienen“, heißt es in dem Dokument. Falls notwendig, müssen die Betriebe die Lagerkapazitäten für Gülle entsprechend anpassen. Der Verband bekennt sich zu seiner Verantwortung für den Gewässerschutz. Alle Maßnahmen, die zu einer reduzierten, aber gleichwohl auskömmlichen Düngeintensität führen, sollen „verstärkt in die Praxis getragen“ werden.

Noch keine Lösungen bei Schwanzbeißen und Kastration

Zum Kürzen der Schwänze bei Schweinen sieht der Verband zurzeit noch keine Alternative. Versuche mit Langschwänzen hätten nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Bis dahin „bleibt das Schwänzekürzen bei Ferkeln die effektivste Maßnahme, um das Schwänzebeißen zu vermeiden“, stellt der Verband fest. Auch beim Thema Kastration sehen die Landwirte im Norden derzeit keine für die Praxis befriedigende Alternative. „Bis dies der Fall ist, werden wir durch die Gabe von Schmerzmitteln die Kastration für das Tier so schmerzfrei wie möglich durchführen“, versichern die Landwirte.

Vertragsnaturschutz besser honorieren

Die Biodiversität will der Bauernverband im Norden durch einen Ausbau des Vertragsnaturschutzes verbessern. Dieser müsse von einem nur teilweisen Nachteilsausgleich zu einer Anreizkomponente entwickelt werden, um ihn für mehr Landwirte interessant zu machen. Wenn es dadurch möglich wird, ausreichend und verlässlich Betriebseinkommen zu erzielen, seien die schleswig-holsteinischen Landwirte bereit, dies zu nutzen.

Bedürfnisse der Landwirte berücksichtigen

Nur eine gesunde und wirtschaftlich stabile Landwirtschaft werde stark genug sein, um die notwendigen Veränderungen zu gestalten. Der Verband appelliert daran bei Veränderungen die auf den Höfen lebenden Menschen einzubeziehen: „Nur wenn ihre Bedürfnisse ausreichend berücksichtigt werden, haben sie die Kraft und den Antrieb, die Veränderungen erfolgreich umzusetzen.“ Die „gebotenen Veränderungen“ wolle der Bauernverband selbst anstoßen. Die Diskussion solle weder zeitlich noch inhaltlich abgeschlossen sein. Landwirtschaft sei ein permanenter Veränderungs- und Optimierungsprozess. Deshalb werden auch die Initiative „Veränderung gestalten“ weiterentwickelt. (SB)
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