Nach der Energiewende haben die Grünen die Agrarwende als neues Thema entdeckt.
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Nach der Energiewende haben die Grünen die Agrarwende als neues Thema entdeckt.

Nur zwei Redner der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatten die Möglichkeit den Antrag vorzustellen, bedauerte Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter am Rande der Debatte gegenüber agrarzeitung.de. Grund dafür seien die Mehrheitsverhältnisse in der Zeit der Großen Koalition. Dennoch wolle seine Partei dieses Zukunftshema weiter intensiv verfolgen. In seiner Rede hatte Hofreiter besonders die strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft hervorgehoben. Rund 30 Prozent aller Bauernhöfe seien allein seit dem Jahr 2000 verschwunden, unter den Schweinehaltern seien es sogar 70 Prozent. Eine einseitig an den Interessen der Agrarindustrie ausgerichtete Agrarpolitik sei wesentlicher Grund für diese Entwicklung. Verantwortlich dafür seien auch alle bisherigen von der CSU gestellten Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung. Hofreiter kritisierte die Zunahme sehr großer Tierhaltungsanlagen, die Belastung von Boden und Grundwasser sowie den "massenhaften Einsatz von Antibiotika". 

"Landwirtschaft gehört nicht an den Pranger"

Der agrarpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dr. Wilhelm Priesmeier, wies diese Vorwürfe entschieden zurück. Es  nütze niemandem, wenn die Landwirtschaft mit einer Fülle von Vorwürfen pauschal an einen Pranger gestellt werde, "an den sie nicht gehört", betonte er. Der ländliche Raum stehe natürlich vor großen Herausforderungen, jedoch seien leistungsfähige Betriebe dafür der Rückhalt. Immer noch seien 90 Prozent der Betriebe in Hand von Familien. Agrarpolitik entwickele sich immer mehr zur Gesellschaftspolitik. Darin seien konstruktive Lösungen gesucht. Vieles habe sich in den vergangenen Jahren seit dem durch BSE ausgelösten "Systemcrash" um die Jahreswende 2000/2001 bewegt und zum Guten entwickelt, so Priesmeier. Eine Fortsetzung von undifferenzierten Vorwürfe gegen die Praxis sei daher nicht angemessen. Nach Abstimmung im Bundestag wurde der Antrag in den Ausschuss für Landwirtschaft und Ernährung verwiesen.

"Unsägliche Inszenierung"

Scharfe Kritik am Antrag der Grünen übte Marlene Mortler (CSU). Der Antrag zur Agrarwende sei eine "unsägliche Inszenierung gegen unsere Bäuerinnen und Bauern", beklagte die bayerische Bundestagsabgeordnete. Dass die Landwirte in Deutschland preiswerte und gute Lebensmittel produzieren, sei eine "tolle Errungenschaft". Für eine stabile Lebensmittelversorgung sei eine produktive Landwirtschaft notwendig. Die Landwirtschaft stelle sich den Herausforderungen und habe sich auf den Weg gemacht, Probleme zu lösen. So werde das Screening dazu führen, den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung zu reduzieren. Ziel bleibe es, mit weniger Ressurcen mehr Lebensmittel zu produzieren. (jst/SB) 
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