Eintagsküken

Linke will Ausstieg aus Kükentöten


Vorausgegangen war eine kleine Anfrage der Linksfraktion an die Bundesregierung. Dabei ging es um die Frage, welche Mehrkosten pro Ei erwartet werden, wenn das Verfahren der Geschlechtsbestimmung im Ei in die Praxis umgesetzt werde. Laut Bundesregierung seien die Mehrkosten zu vernachlässigen, weil die Anwendung des Verfahrens auch Kostenvorteile bringe. So könnten etwa Brutkapazitäten und Energiekosten gespart werden. "Da stellt sich die Frage, warum diese tierschutzwidrige Praxis ohne Not so lange geduldet wurde statt sehr viel früher Druck für die Entwicklung dieses Verfahrens zu machen. Diese Antwort der Bundesregierung auf meine Nachfrage ist ein politischer Offenbarungseid, der das Staatsziel Tierschutz zum Nebenschauplatz erklärt“, so Dr. Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Es bleibe abzuwarten, ob die Geschlechtsbestimmung im Ei und das anschließende Aussortieren der männlichen Hühnerembryos tatsächlich kostenneutral sein werde, so Tackmann weiter.

Viel sinnvoller sei es daher, auf das Zweinutzungshuhn mit einer ausgewogenen Fleisch- und Legeleistung als einen Ausweg aus dem alljährlichen Töten von 50 Millionen Eintagsküken zu setzen. So könne nicht nur das Kükentöten vermieden, sondern auch mehr Tierwohl erreicht werden. Österreich, die Niederlande und selbst die USA seinen Deutschland diesbezüglich "meilenweit" voraus. Auch die Aufzucht und Vermarktung der Brüder der Legehennen sei ein akzeptabler Weg. Eine Erzeugergemeinschaft im Landkreis Rostock habe bereits hunderttausend Bruderhähne eingestallt. "Zwei bis vier Cent mehr pro Ei als Querfinanzierung der Hälfte der Mehrkosten ist ein verkraftbarer Beitrag für mehr Tierschutz", so Tackmann.

In Deutschland wird an der Geschlechterbestimmung im Ei derzeit noch geforscht. Jüngsten Medienberichten zufolge, geht Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) davon aus, dass die Geschlechtsbestimmung 2017 bereit für den Einsatz in Brütereien ist. Ein sofortiges Verbot in Deutschland lehnt er ab, da es nur zur Abwanderung der Brütereien ins Ausland führe. In Niedersachsen will Landesminister Christian Meyer (Grüne) die Praxis definitiv im nächsten Jahr beenden – unabhängig davon, ob alternative Techniken zur Verfügung stehen. (mrs)
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