Biokraftstoffe

Lob und Kritik für EU-Parlament


iLUC
Von iLUC - indirect Land Use Change – indirekte Landnutzungsänderungen wird gesprochen, wenn Pflanzen für Biokraftstoffe zwar auf Flächen angebaut werden, die als nachhaltig zertifiziert sind, dabei aber den Anbau von Nahrungspflanzen auf Wald- oder Brachflächen verdrängen. Bei der Umwandlung dieser natürlichen Lebensräume in Ackerland entstehen Treibhausgasemissionen, die bisher nicht in die Klimabilanz der Kraftstoffe einfließen.
Ereichtert über die heutige Parlamentsentscheidung zur Zukunft der Biokraftstoffe zeigten sich die Hersteller von Biodiesel und Bioethanol. Sie schränke die Biokraftstoffhersteller zwar ein, sei aber deutlich besser als die anfangs diskutierten Vorgaben, erklärt der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Ausdrücklich begrüßt wird die Ablehnung des ilcu-Konzeptes zur Berücksichtigung der indirekten Landnutzung (iluc). „Iluc war der Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln, und es ist erfreulich, dass das Parlament dies abgelehnt hat“, lobte VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann.

Nachhaltigkeitsvorgaben für alle Agrargüter

Dass trotzdem über iluc-Werte berichtet werden soll, hält der Verband für problematisch, weil so der Eindruck entstehe, dass diese Werte tatsächlich berechnet würden. Anstatt Biokraftstoffe als Sündenbock für Regenwaldrodungen abzustempeln, solle die Europäische Kommission effektiven Waldschutz durchsetzen, indem sie auf diejenigen Länder einwirkt, in denen tatsächlich gerodet wird. „Wir fordern, dass für sämtliche Nutzungen von Agrargütern verbindliche Nachhaltigkeitsvorgaben eingeführt werden. Dann ist Urwaldabholzung auch für Nahrungsmittel, Kosmetik und Chemie ausgeschlossen“, sagte Baumann.

Deutschland soll Quote senken

Der Beschluss schafft ist keine langfristige Garantie für Bioethanolproduzenten.
-- , Foto: Veribo
Der Beschluss schafft ist keine langfristige Garantie für Bioethanolproduzenten.
Der Beschluss des EU-Parlaments widerspricht nach Ansicht des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den EU-Klimaschutzzielen und den internationalen Zielen des Waldschutzes. Die Produktion der Biokraftstoffe gehe  auf Kosten des Naturschutzes sowie der gerechten Landverteilung. Die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und die Weltbank hätten sogar den „Ausstieg aus der Agrospritförderung" gefordert, erklärte der BUND. „Da dies auf EU-Ebene unterbleibt, muss Deutschland jetzt vorangehen und die Beimischungsquote für Agrarkraftstoff auf eigene Faust herabsetzen", sagte die BUND-Agrarexpertin Katrin Wenz. Palmölimporte verschärften in Indonesien die Flächenkonkurrenz und führten vielerorts zu Landkonflikten, in deren Folge Kleinbauern vertrieben würden.

Entwicklungsstrategie erarbeiten

Zustimmung kam dagegen vom Vorsitzenden der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP), Wolfgang Vogel. Er kritisiert jedoch, dass die Festlegung einer langfristigen und für Investoren verlässlichen europäischen Biokraftstoffpolitik mit diesem Beschluss wieder einmal ausgeblieben ist. Wenn Kulturarten wie Raps, Getreide und Zuckerrüben für die Biokraftstoffproduktion genutzt werden, spare dies erhebliche Importe an Eiweißfuttermitteln. Die bis zum Jahr 2020 verbleibende Zeit müsse genutzt werden, um eine Entwicklungsstrategie für alle Biokraftstoffgenerationen in einem Klima- und Energie-Paket für 2030 zu erarbeiten, so wie dies von Parlament und Ministerrat gefordert wurde. (SB)
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