Milchkrise

MIV setzt auf Marktkräfte


Weder Milchpreismodelle mit unterschiedlich bezahlten A- und B-Quoten noch nationale Deckelungen führen laut Milchindustrie-Verband (MIV) aus der Krise. „Überlegungen, wie sie derzeit von einigen Landesministerien angestellt werden, sind kontraproduktiv. Sie erhöhen die Bürokratie, aber nicht den Milchauszahlungspreis“, sagt Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser.

Änderungen könnten nur auf EU-Ebene erfolgen. Nationale Alleingänge brächten nichts. In diesem Zusammenhang erinnert Heuser allerdings daran, dass die europäische Milchwirtschaft mit dem Wegfall der Quote den freien, globalen Markt betreten habe, und dass dieser Schritt dem politischen Willen aller Beteiligten entsprochen habe.

Bauern liefen weniger


Die Stabilisierung des Marktes und die Rückkehr zu einer angemessenen Wertschöpfung sollte ausschließlich unter Weiterverfolgung des eingeschlagenen Weges erfolgen. So schwer die derzeitige Krise sei, dürfe sie nicht zu staatlichen Eingriffen und zeitlich befristeten gesetzlichen Reglementierungen verleiten. Laut MIV gebe es deutliche Anzeichen für sinkende Anlieferungsmengen bei den Molkereien. Große Molkereien wie DMK und Arla hatten jüngst reduzierte Mlichmengen vermeldet. Auch gingen die Milch-Notierungen an den Börsen wieder hoch. "Das Tief könnte durchschritten sein", sagt ein MIV-Sprecher gegenüber agrarzeitung.de.

Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser macht auch noch einmal deutlich, dass A- und B-Quoten einem wichtigen genossenschaftlichen Prinzip widersprechen. "In Genossenschaften gilt zunächst einmal das Gleichheitsprinzip, und das heißt auch, gleicher Basismilchpreis für alle", sagt Heuser. Scharf kritisiert der Verband auch die Forderungen nach einer Abschaffung der Andienungspflicht, die ein weiteres genossenschaftliches Prinzip darstellt. „Der Andienungspflicht auf Erzeugerseite steht die Abnahmepflicht auf Verarbeiterseite gegenüber“, so Heuser. „Beides sind Kernelemente moderner organisierter Molkereiwirtschaft. Fällt die Andienungspflicht, fällt auch die Abnahmegarantie.“ Damit ginge für die Landwirte die Sicherheit verloren, die von ihnen produzierten Milchmengen auch in Zeiten schwieriger Marktlagen abgenommen, verarbeitet und verkauft zu bekommen. (kbo)
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