Schwarzbuch der Bioenergie

Mais im Moor schadet dem Klima

In einem Internationalen Schwarzbuch der Bioenergie geht die Umweltorganisation BirdLife International mit der Biogasproduktion in Niedersachsen ins Gericht. Das heute in Brüssel vorgestellte Papier listet außerdem negative Beispiele aus Russland, Finnland, der Slowakei, Kolumbien, Spanien und Frankreich auf.

Maisanbau bedroht Artenvielfalt

Im Fokus der Kritik an Deutschland steht der „regional dramatische Zuwachs an Maisäckern in Niedersachsen für die Biogasproduktion“, teilt der Naturschutzbund (Nabu) mit, der als deutscher Verband BirdLife International angehört. Niedersachsen sei besonders reich an Mooren, Feuchtwiesen und Grünland. Durch den Maisanbau sei jedoch die Artenvielfalt über und im Boden bedroht, sorgt sich der Nabu.

Vögeln und Insekten geht Nahrung verloren

Mit einem Anteil von 10 Prozent Mais an der Ackerfläche in Bereichen Südniedersachsens sei Mais eine Abwechslung in der Fruchtfolge. Mit über 60 Prozent in den Hochburgen der Biogasanlagen und Viehhaltung sei Mais jedoch zur Gefahr geworden. Mittlerweile gebe es Landstriche, in denen Jahr für Jahr auf 60 bis 75 Prozent der Ackerfläche Mais wachse. Vielen Vogelarten wie Wiesenweihe und Kiebitz sowie zahlreichen Insektenarten gingen dabei Nahrung und Lebensraum verloren.

Gefährdung der Gewässer durch Nitrat

Die negative Öko-Bilanz des Energiepflanzen-Anbaus beschränke sich nicht nur auf die biologische Vielfalt, so der Nabu. Durch die Düngung mit Gärresten werde auch das Oberflächen- und Grundwasser gefährdet. In Niedersachsen seien die Grundwasserkörper auf 59 Prozent der Landesfläche zu stark mit Nitrat belastet und damit in einem schlechten Zustand.

Anbau auf Moorboden berursacht Klimagase

Die derzeitige Praxis konterkariere die selbstgesteckten Ziele der Bundesregierung beim Klimaschutz. „Angesichts des Verlustes von wertvollen Lebensräumen durch Biomasse ist es absurd, von ‚grüner Energie‘ zu sprechen. Klimaschutzparadox trifft es besser“, sagt Uwe Baumert, Bioenergieexperte des Nabu Niedersachsen. Denn der Anbau von Mais auf Moorböden verursache mehr klimaschädliche Treibhausgase, als durch deren Ersatz von fossilen Energieträgern eingespart werden könne. Bis zu über 40 Tonnen würden Jahr für Jahr aus einem Hektar Mooracker entweichen, so Baumert. Maisanbau auf einem durchschnittlichen Ackerboden führt in der Biogasanlage pro erzeugte Kilowattstunde zu etwa 200 g CO2-Ausstoß; auf umgebrochenen Moorböden jedoch zu 700 bis 800 g. Das sei absurd und kontraproduktiv, denn ein Erdgaskraftwerk kommt dagegen „nur“ auf 400 g CO2-Ausstoß, stellt der Nabu fest. (SB)
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