Agrarjournalisten

Markt für Nachhaltigkeit gesucht


Es ging um Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft auf dem heutigen internationalen Kongress der Agrarjournalisten in Bonn. Dass das Thema komplex ist, darüber waren sich die Agrarexperten auf dem Podium einig. Aber schon an der Frage, ob die Produktion grundlegend anders werden muss, schieden sich die Geister. Für Prinz Felix zu Löwenstein sind weder der Ökolandbau, für den er einsteht, noch die konventionelle Landwirtschaft langfristig nachhaltig. „Wir müssen grundlegend umsteuern“, sagt er. Für Robert Kloos, Staatssekretär im BMEL, Helmut Schramm, Bayer Crop Science, und Hubertus Paetow, DLG, steht allerdings zunächst einmal die Ernährungssicherung im Vordergrund. „Natürlich kann die Landwirtschaft in Deutschland zurückgefahren werden, aber wir sollten doch unsere Standortvorteile nicht aufgeben“, sagt Kloos.

Dies traf eher die Meinung der zahlreichen aus Afrika und anderen Schwellenländern angereisten Agrarjournalisten. Sie konnten der deutschen Nachhaltigkeitsdebatte nicht immer folgen. Für viele Länder, die auch noch einen deutlich höheren Bedarf an Agrarrohstoffen hätten als Deutschland, sei die wichtigste Aufgabe der Landwirtschaft, Lebensmittel zu produzieren, erklärt ein afrikanischer Journalist. Paetow gibt darüber hinaus zu bedenken, dass es keinen Markt für Nachhaltigkeit gibt. Das sei auch der Grund, warum sich bei der DLG so wenige Betriebe nach dem Nachhaltigkeitsstandard zertifizierten. „Es lohnt sich finanziell nicht“, so Paetow.

Ein möglicher Lösungsweg könnte der technische Fortschritt sein. „Wir brauchen hoch innovative Landwirtschaft“, sagt zu Löwenstein. Helmut Schramm sieht das ähnlich: „Digital Farming bietet große Chancen nachhaltig zu produzieren“, erklärt er. (kbo)
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