Klärschlammverordnung

Mehr Phosphor aus Abwasser gewinnen

Das Bundeskabinett hat eine „Neuordnung der Klärschlammverwertung" beschlossen. Sie schränkt die Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftliche Flächen ein. Ziel der Neuordnung sei es, die Böden und landwirtschaftlichen Flächen zu schonen und mit der natürlichen Ressource Phosphor nachhaltig umzugehen, teilt die Bundesregierung mit. Der Bundesrat muss der Verordnung noch zustimmen.

Wenige Länder besitzen Phosphat-Vorkommen
Deutschland muss seinen gesamten Bedarf an Mineraldüngerphosphat importieren. National und international wächst die Sorge, dass es mittelfristig zu Engpässen bei der Versorgung mit Phosphor kommen könnte. Die Europäische Union hat 2014 Phosphor auf die Liste der „kritischen Rohstoffe" gesetzt. Die größten Vorkommen an Phosphat-Mineralien findet man in Marokko, China, USA, Südafrika sowie Irak und Jordanien. Außerdem enthält der Kot von Meeresvögeln, der Guano, viel Phosphor. Von den weltweit geförderten Rohphosphaten werden 90 Prozent zur Herstellung von Düngemitteln verwendet.
Klärwerke, die ab einer Größe für 50.000 Einwohnern ausgelegt sind, müssen innerhalb der nächsten 15 Jahre technologisch so umrüsten, dass sie Phosphor zur Weiterverwertung herausfiltern. Damit wird die Ausbringung von Klärschlamm in den Boden zu Düngezwecken erheblich eingeschränkt oder beendet.

Kleinere Klärwerke sind nicht verpflichtet, ihre Anlagen umzurüsten. Sie dürfen weiterhin Klärschlämme in den Boden bringen. Vorausgesetzt, die Behörden in den Ländern und Kommunen erlauben dies. Sie sind dafür zuständig, die Schadstoffgehalte in den Böden zu messen. Abhängig von den jeweiligen Ergebnissen kann festgelegt werden, in welchen Regionen Klärschlämme weiterhin auf landwirtschaftliche und sonstige Flächen ausgebracht werden dürfen.

Abwässer und Klärschlämme haben einen hohen Phosphorgehalt. Klärschlämme werden bislang hauptsächlich als Dünger genutzt. Dadurch gelangen aber auch zusätzliche Schadstoffe in die Böden. Der andere Entsorgungsweg von Klärschlamm ist die Verbrennung. Die Asche wird im Straßenbau verwendet oder als Abfall deponiert. Alle diese Entsorgungswege sind nach Auffassung der Bundesregierung nicht nachhaltig: Die Umweltbelastung sei hoch. Wertvolle im Abwasser und Klärschlamm enthaltene Stoffe würden „verschleudert". Dies gelte besonders für Phosphor, der weltweit dazu beiträgt, die Ernährung zu sichern. Aus den Phosphaten, die in kommunalen Abwässern und Klärschlämmen enthalten sind, könnte rein rechnerisch mehr als die Hälfte des landwirtschaftlichen Bedarfs an Phosphor gedeckt werden. (SB)
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