Der Bundesrat fordert eine artgerechtere Haltung von Junghennen und Masthühner-Elterntieren. Die Länderkammer hat heute einen Verordnungsantrag zur Änderung der Tierschutz-Nutztierverordnung beschlossen. Damit soll eine einheitliche und verhaltensgerechte Unterbringung und Pflege der Tiere sichergestellt werden. Die bislang geltenden Bestimmungen seien zu allgemein und würden den wissenschaftlich belegten Anforderungen an eine artgerechte Haltung nicht gerecht, heißt es in der Begründung der Initiative.

Regeln auch für Elterntiere von Masthünern

Die Änderungsverordnung bestimmt eine Reihe detaillierter Mindestanforderungen für die Haltung von Jungtieren, beispielsweise für das Futter- und Wasserangebot, das Stallklima oder die Betreuung von Junghennen. Außerdem nimmt sie die Masthühner-Elterntiere in den Geltungsbereich der Tierschutz-Nutztierverordnung auf und bestimmt auch für sie zahlreiche Bedingungen für eine artgerechte Haltung, die damit zur Pflicht wird. Der Verordnungsantrag wird nun an die Bundesregierung weitergeleitet, die über deren Erlass entscheidet. Fristen für diese Entscheidung gibt es nicht.

Verordnung soll Empfehlungen ersetzen

Grundlage für die neuen Vorschläge sind die Vorgaben des Tierschutzplans Niedersachsen. Auf dieser Basis hatte das Land bereits 2013 eigene Empfehlungen zur Haltung von Junghennen herausgegeben. „Die Anforderungen an die Haltung sind insbesondere deshalb wichtig, um Junghennen und Legehennen mit ungekürzten Schnäbeln zu halten, ohne dass vermehrt Verhaltensstörungen wie Kannibalismus auftreten“, betonte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). In Niedersachsen ist das Schnabelkürzen bei Legehennen ab 2017 verboten.

„Rechtliche Klarstellungen notwendig"

Über eine Änderung der Verordnung entscheidet letztlich die Bundesregierung. „Ich freue mich über die breite Zustimmung des Bundesrates für unseren Antrag. Bundesagrarminister Christian Schmidt darf beim Tierschutz nicht weiter trödeln und Zeit vertändeln. Nur mit freiwilligen Unverbindlichkeiten kommen wir nicht weiter. Notwendig sind rechtliche Klarstellungen", sagte Meyer zur Bundesratsentscheidung.

Tierschutzbund jubiliert

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kommentiert zum heutigen Beschluss:
Obwohl die dringende Notwendigkeit von gesetzlichen Haltungsvorgaben zur Verbesserung des Schutzes dieser Tiere nun endlich angegangen wird, bleibt jedoch unsere Grundsatzkritik: Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung gibt lediglich gesetzliche Mindestanforderungen vor. Für eine wirklich tiergerechte Haltung sind die Vorgaben, beispielsweise für die Besatzdichte, unzureichend.“ (da)
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