Milchpreis fällt seit Jahren
Seit 2006 konnten die Landwirte in der Schweiz vorzeitig aus der an Kontingente gebundenen Milchproduktion aussteigen und ihre Erzeugung anheben. In den vergangenen zehn Jahren ist die in der Eidgenossenschaft produzierte Milchmenge um neun Prozent auf rund 3,5 Mrd. kg angestiegen. Die Preise haben seitdem deutlich nachgegeben. Trotz kurzzeitiger Preishochs zeigt die langfristige Tendenz nach unten. Die Erzeugerpreise sind von 80 Rappen im Jahr 2001 auf aktuell unter 50 Rappen gefallen.
Der Schweizer Milchmarkt befindet sich in der Krise. Der Milchpreis liegt so tief wie letztmals vor 50 Jahren, beklagt der Schweizer Bauernverband. 46 bis 48 Rappen (41,6 bis 43,4 Cent) erhalten Bauern derzeit für ein Kilogramm Molkereimilch. Zur Preiserosion geführt haben Verluste im Export infolge der Aufwertung des Franken, Einkaufstourismus der Schweizer Verbraucher ins benachbarte Ausland, tiefe Weltmarktpreise, aber auch die aktuelle Überproduktion im Inland, berichtet der LID.

Mehr Geld für Tierwohlprogramme

Ein Milchgipfel, zu dem die Schweizer Milchproduzenten (SMP), der Schweizer Bauernverband (SBV) und die Branchenorganisation Milch (BOM) Ende vergangener Woche eingeladen hatten, blieb ohne konkrete Ergebnisse. Im Anschluss an das Treffen, an dem auch Vertreter der Molkereien, des Handels und der Regierung teilnahmen, präsentierten die Erzeugerorganisationen ihre Forderungen. Als Sofortmassnahme fordern BOM, SMP und SBV vom Bund unter anderem höhere Zahlungen für die Weidehaltung (Regelmässiger Auslauf im Freien/Raus-Beiträge) und für das Programm Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF). Mehr Geld solle der Staat zudem für die Absatzförderung bereitstellen.

Langfristig gute Perspektiven

„Die Molkereimilch-Produktion in der Schweiz ist in Gefahr. Viele Bauern sind in einer sehr verzweifelten Situation“, begründete SMP-Präsident Hanspeter Kern die Vorschläge. „Es muss sofort gehandelt werden, sonst wird die Milchproduktion in der Schweiz marginalisiert“, warnte Bauernpräsident Markus Ritter. Dominique Kohli, Vizedirektor des Bundesamts für Landwirtschaft, versicherte, dass die Regierung bereit sei, bei der Absatzförderung mehr zu tun. Zu den anderen Forderungen wollte sich Kohli nicht konkret äußern, berichtet der LID. Langfristig seien die Perspektiven für die Milchproduktion gut, dies würden Studien der OECD und FAO zeigen, stellte der Beamte fest. Mit einer baldigen Entspannung rechnen die Akteure nicht. Junglandwirten rät der Bauernpräsident, derzeit keine Investitionen in die Milchproduktion zu tätigen und stattdessen Alternativen zu prüfen. (SB)
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