Mengensteuerung

Milchbranche gegen Verzicht


Verordnete Einschränkungen der Produktion lehnt der Bauernverband entschieden ab.
-- , Foto: Landvolk
Verordnete Einschränkungen der Produktion lehnt der Bauernverband entschieden ab.

Die Agrarminister von Bund und Ländern vollziehen in der Milchpolitik einen Kurswechsel, aber führende Verbände lehnen jede Form der organisierten Mengenreduzierung weiter ab. Deutscher Bauernverband (DBV), Milchindustrieverband (MIV) und Deutscher Raiffeisenverband (DRV) wiederholten heute noch einmal ihre seit Monaten vorgebrachten Argumente und Bedenken und übten zum Teil scharfe Kritik an den Agrarministern.

DBV-Vize Udo Folgart beklagt Populismus

Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Udo Folgart, bezeichnete die Beschlüsse der Agrarministerkonferenz als „populistisch“. Eine nationale Begrenzung der Milchproduktion sei im EU-Binnenmarkt „völlig wirkungslos". Der Versuch, die Milchmenge europaweit zu reduzieren, werde scheitern, prophezeite der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrieverbandes Eckhard Heuser. Skeptisch bleibt auch der Deutsche Raiffeisenverband. Auf europäischer Ebene gebe es keine Einigkeit über EU-weite Maßnahmen zur Mengenreduzierung, sagte ein Sprecher des DRV gegenüber agrarzeitung.de.

BDM und AbL fordern mehr

Der Bundesverband der Milchviehhalter (BDM) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) zeigten sich dagegen erfreut und erleichtert. Sie fordern Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auf, das Votum der Minister ernst zu nehmen und notwendige Schritte zügig umzusetzen. Auch die Verbände der Molkereiwirtschaft und der Bauernverband seien gefordert, „alle Vorbehalte hintenanzustellen und sachorientiert an schnellen Wegen aus der Krise aktiv mitzuarbeiten“, erklärte der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber.

Abzuwarten bleibt nun, ob die von den Agrarministern geforderten freiwilligen Maßnahmen zur Mengenreduzierung umgesetzt werden. Angesichts der entschiedenen Ablehnung weiter Teile der Milchbranche erscheint das unwahrscheinlich. Damit würden die finanziell angeschlagenen Betriebe aber auch auf weitere finanzielle Hilfen verzichten. Denn die Agrarminister haben klar gemacht, dass sie neue Hilfsprogramme nur auflegen, wenn die Milchproduktion gedrosselt wird. (SB)
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