DLG-Wintertagung

Milchkuh goes Facebook


Unter dem Motto „Milchkuh goes Facebook“ macht die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in München Betriebsleiter fit für den Auftritt in sozialen Netzwerken. Und mancher ist erstaunt, wie schnell das gehen kann. Innerhalb von fünf Minuten hat Franziska Friedrich, Landwirtschaftsstudentin der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, in ihrem Vortrag live mit dem Publikum ein Facebookprofil erstellt.

Ein weiteres Profil hatte die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf im Rahmen einer Feldstudie bereits drei Monate vorher unter der Adresse „Milch goes World Wide Web“ angelegt und Friedrich und das weitere Team zeigten sich von dem eigenen Erfolg überwältigt. Rund 2 Millionen Nutzer wurden innerhalb kürzester Zeit mit der Informationsseite über die Milchproduktion erreicht. Frau Friedrich zufolge trug einerseits die Emotionalisierung der Inhalte, beispielsweise über zugkräftige Überschriften und hervorstechende Bilder, zu der weiten Verbreitung bei. Andererseits habe aber auch die Beachtung einiger Formalien eine Rolle gespielt wie das Veröffentlichen zu einer optimalen Tageszeit und das Vernetzen und Verlinken mit anderen Facebook-Akteuren.

In die Rolle des Verbrauchers versetzen

Die Milchviehhalterin Andrea Rahn-Farr gab darüber hinaus einen interessanten Einblick in ihre tägliche Arbeit mit Facebook und Smartphone. Das Veröffentlichen von Inhalten auf Facebook sei für sie die „logische Fortsetzung der Öffentlichkeitsarbeit“ wie Tage des offenen Hoftors oder Kindergartenbesuche, sagt die dreifache Mutter und Leiterin eines Milchviehbetriebes mit rund 350 Rindern. Sie versetze sich vor dem Posten in die Perspektive des Verbrauchers. Das spiele insbesondere bei Fotos eine wichtige Rolle. Was für den Landwirt Alltag sei, könne der Verbraucher nicht immer nachvollziehen. So habe sie nach dem Veröffentlichen eines Kälberfotos auch schon die Wucht eines Shitstorms („Wie kann man nur so grausam sein und die Babys von ihren Müttern trennen?“) kennen lernen dürfen.

Auch in solchen Fällen spiele das Vernetzen eine bedeutende Rolle, meint Rahn-Farr. Denn sie war sehr dankbar, dass sie zur Bewältigung der mehreren hundert Kommentare auf ein dichtes Netzwerk mit anderen Landwirten zurückgreifen konnte. „Alleine hätte ich das nicht geschafft. Man muss sich gegenseitig helfen“, appelliert sie an das Publikum. Und noch einen weiteren Ratschlag hält sie parat: „Nicht die Nerven verlieren.“ Trotz allem müsse man höflich bleiben, erklärt sie. „Wir kommunizieren vor allem für die lauschende Menge“. Denn die überwiegende Menge ist auf Facebook lediglich als Mitleser unterwegs. Sie bildet sich darüber aber die eigene Meinung. (kbo)
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