Die Dimension der aktuellen Milchmarktkrise sei schon jetzt immens – und ein Ende der Talfahrt sei nicht abzusehen, schreiben Milchviehhalter, die sich selbst als „Zukunftsbetriebe" bezeichnen, in einem Brandbrief. „Dringend“ sei deshalb der Handlungsbedarf von Agrarminister Christian Schmidt (CSU) und seinem Ministerium, appellieren die Unterzeichner, die gemeinsam rund 30.000 Kühe in ihren Ställen stehen haben.

„Wir haben unsere Betriebe gut aufgestellt, befinden uns größtenteils in den so genannten Gunstregionen und sind durchaus in der Lage, normale Marktschwankungen durch entsprechendes Betriebsmanagement abzufedern", sagte Christian Karp, Leiter eines Milchbetriebes mit 800 Kühen und 25 Mitarbeitern in Mecklenburg-Vorpommern. Die aktuelle Situation sei jedoch „weit davon entfernt, nur als Marktschwankung verniedlicht werden zu können".

Deshalb fordern die Verfasser des Briefes verlässliche Rahmenbedingungen, um ihre Betriebe wirtschaftlich nachhaltig weiterzuentwickeln – und dazu gehöre ganz wesentlich „die Schaffung eines modernen und wirkungsvollen Sicherheitsnetzes für den EU-Milchmarkt.“

Die bisherigen Instrumente des Sicherheitsnetzes stützten vor allem die Ernährungsindustrie und würden die massiven Verluste bei den Milchbauern nicht auffangen. „Noch immer können wir unsere Milch nicht verkaufen, sondern nur abliefern“, moniert  Karp. „Selbst in den marktliberalen USA hat man politischen Handlungsbedarf für diese extremen Marktkrisen erkannt und entsprechend gehandelt. Bei uns in Deutschland und Europa hingegen Fehlanzeige.“ (az)
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