Berliner Milchforum

Milchviehhalter fühlen sich überfordert


Das Interesse gesellschaftlicher Gruppen an der Weiterentwicklung von tiergerechten Haltungsbedingungen dürfe nicht in einer immer höheren Taktzahl neuer Vorgaben münden, forderte Udo Folgart, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Die Betriebe würden sonst angesichts Investitionsvolumen und Abschreibungen wirtschaftlich überfordert. Aktuell werde politisch zum Beispiel über das Enthornen sowie über ein Verbot der Anbindehaltung diskutiert. Die Haltung von Kühen sei in den zurückliegenden Jahrzehnten sehr innovativ weiterentwickelt worden. Damit hätten viele Milchbauern schon vor der gesellschaftlichen und politischen Diskussion tiergerechtere Haltungsbedingungen verwirklicht. Neue Vorgaben müssten zudem sicherstellen, dass sie auch tatsächlich dem Tierwohl dienen und den Strukturwandel nicht anheizen

Düngeverordnung nicht umsetzbar

Folgart äußerte sich beim Milchforum auch zur anstehenden Novelle der Düngeverordnung. Die Vorgaben für die Düngebedarfsermittlung sowie die Flächenbilanz seien für milchviehhaltende Unternehmen mit Grünland und Feldfutterbau nicht umsetzbar. Auch die vorgesehenen Verlängerungen der Sperrfristen machten fachlich keinen Sinn. Milchbauern erwarteten angesichts der geplanten Einbeziehung von Gärresten in eine Stickstoffobergrenze von 170 kg/ha, dass die Derogationsregelung schnellstmöglich in Brüssel bewilligt werde, um den höheren Nährstoffbedarf des Grünlandes über Wirtschaftsdünger decken zu können. Folgart kritisierte auch die vorgesehene Möglichkeit für einzelne Bundesländer, noch striktere Regelungen im Düngerecht vorzunehmen. Diese Uneinheitlichkeit würde innerhalb Deutschlands zu einem Flickenteppich und damit zu Wettbewerbsverzerrungen führen. (SB)
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