Tierhaltung

Minister unterzeichnen "Münsteraner Erklärung"

Zwei Minister - ein Wille: Meyer und Remmel bei der Unterzeichnung der Münsteraner Erklärung.
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Zwei Minister - ein Wille: Meyer und Remmel bei der Unterzeichnung der Münsteraner Erklärung.

"Die Schweinehaltung in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wird in Zukunft anders aussehen müssen als heute", erklärten die Minister Johannes Remmel und Christian Meyer in Münster: "Die Tiere haben dann mehr Auslauf und Platz zu artgemäßer Bewegung, das Stallklima ist gesundheitsfördernd, der Einsatz von Medikamenten ist deutlich reduziert und alle Schweine haben lange Ringelschwänze. Das ist unser Ziel, welches wir nun Schritt für Schritt verbindlich erreichen wollen." Das Papier, das als "Münsteraner Erklärung" bezeichnet wurde, soll als Diskussionsgrundlage für Gespräche mit der Landwirtschaft dienen.

Münsteraner Erklärung im Detail
- Mehr Tierwohl im Stall durch ausreichend Platz, artgerechte Beschäftigung und Auslauf
- Verzicht auf Amputationen wie das Ringelschwanzkürzen
- Umweltemissionen reduzieren
- Zielkonflikte zwischen Umwelt- und Tierschutz klar benennen und auflösen
- Verbindliche und mehrjährige Verträge mit dem Einzelhandel abschließen, um Investitionen in tiergerechte Haltungssysteme zu fördern
- Marktanteil von Bio-Schweinefleisch erhöhen
- Nachhaltige Schweinehaltung gemeinsam mit den Niederlanden und Dänemark weiterentwickeln
Der begonnene Prozess soll gemeinsam mit der Landwirtschaft gestaltet werden. Bei einem Verbändegespräch in Münster haben die beiden Minister den Verbänden und Interessensvertretern der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft die gemeinsame Erklärung erstmals vor- und zur Diskussion gestellt.

Die Minister sehen alle Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer in der Verantwortung. "Heute stellen viele Maßnahmen zum besseren Schutz der Tiere ein wirtschaftliches Risiko für die Landwirtinnen und Landwirte dar, besonders für die kleinen und mittleren Betriebe. Das ist eine skandalöse Fehlentwicklung auf unseren Märkten", sagte Minister Remmel.

Das Vorgehen der Minister hatte im Vorfeld der Veranstaltung für Unmut bei den eingeladenen Verbandsvertretern gesorgt. Der Zeitplan deute darauf hin, dass die Minister keinen Grund sehen, ihre Standpunkte zu hinterfragen und sich offen gegenüber den Befürchtungen der Schweinehalter zu zeigen, kritisierte ein Verbandsvertreter gegenüber agrarzeitung.de. Auch der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV), der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) und das Landvolk Niedersachsen kritisierten die Vorgehensweise, die Presse vor dem Fachgespräch zu informieren. Sie bezeichneten die Veranstaltung heute als einen "missglückten Start".

Ferkelerzeuger fordern Planungssicherheit

Nicht einverstanden mit der Marschrichtung der grünen Minister sind viele Landwirte
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Nicht einverstanden mit der Marschrichtung der grünen Minister sind viele Landwirte
Vor dem Veranstaltungsort demonstrierten Ferkelerzeuger und Mäster und wollten darauf aufmerksam machen, dass die Zukunft der Ferkelerzeuger in Nordwestdeutschland auf dem Spiel steht. Zu der Kundgebung hatten Bauernverbände aus Westfalen und Niedersachsen eingeladen.

Auch die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) unterstützte den Protest. Vor allem beim Thema Kastenstand fordert die ISN die Politik auf, sich „ihrer enormen Verantwortung bewusst zu sein“. Es sei wichtig, den Landwirten Planungssicherheit zu geben. Für bestehende Ställe seien ausreichend lange Übergangsfristen unerlässlich, ansonsten droht der deutschen Ferkelerzeugung ein enormer Strukturwandel, von dem nur ausländische Ferkelerzeuger profitieren würden. (mrs/SB)
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