Informeller EU-Agrarrat

Minister wollen weitere Hilfen

Unter dem russischen Einfuhrverbot leiden vor allem die Milcherzeuger in Finnland und in den baltischen Staaten. Statt Frischkäse für Russland werden dort jetzt Butter und Magermilchpulver hergestellt und zum Teil in andere EU-Mitgliedstaaten ausgeführt.

Die traditionell hohen Milchpreise sind in Finnland von 46 Cent/l im Juli auf 40 Cent/l gefallen. Aus Lettland wird von einem Rückgang der Milchpreise um ein Drittel berichtet. Finnland und die baltischen Staaten fordern deshalb Kompensationen in Höhe von 150 Mio. € für die Verluste ihrer Milcherzeuger.

EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos hat alle EU-Mitgliedstaaten aufgefordert, ihre Einbußen wegen der Russlandkrise zu beziffern. Weitere Hilfen stoßen allerdings auf äußerst begrenzte Reserven im EU-Agrarhaushalt. Ciolos möchte den Krisenfonds möglichst nicht mobilisieren, da dieser von den Landwirten selbst finanziert werden muss.

Mit einem weiteren Programm für Obst und Gemüseerzeuger kommt die EU-Kommission vor allem südlichen EU-Mitgliedstaaten entgegen. In die neue Maßnahme über 165 Mio. € wird auch die Marktrücknahme von Orangen und Mandarinen aufgenommen, was vor allem Spanien und Italien zu Gute kommt.

Die niederländische Landwirtschaftsministerin Sharon Dijksma kritisierte Italien auf dem Informellen EU-Agrarrat. Sie vermisse die notwendige Solidarität unter den EU-Mitgliedstaaten, wenn Italien die Hilfen für die private Einlagerung von Käse an sich reiße, betonte Dijksma.

Einzelne Minister forderten auf dem Treffen in Mailand höhere Interventionspreise für Butter und Magermilchpulver, was andere EU-Mitgliedstaaten wiederum strikt ablehnen. Die Tage von EU-Agrarkommissar Ciolos sind gezählt. Das umstrittene Thema der Interventionspreise könnte aber unter dem neuen EU-Agrarkommissar wieder hochkommen. (Mö)
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