Mit der Nürnberger Erklärung zum Auftakt der Biofach, die morgen ihre Tore öffnet, fordern die deutschen Öko-Verbände jetzt EU-Kommission, -Ministerrat und –Parlament auf, die Totalrevision der EU-Öko-Verordnung zu den Akten zu legen. Der vorliegende Entwurf, den auch EU-Agrarkommissar Phil Hogan umsetzen möchte, bringe Rechtsunsicherheit. In der Folge werde die Öko-Fläche stark zurückgehen, prognostiziert der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). „Wir sprechen uns dafür aus, dass das Öko-Recht auf Basis der bestehenden bewährten Verordnung weiterentwickelt wird“, so der BÖLW-Vorsitzende Dr. Felix Prinz zu Löwenstein.

Er kündigt an, in den nächsten Tagen auf der Biofach die Diskussion mit Vertretern von Bund, Ländern und der EU zu suchen. EU-Agrarkommissar Phil Hogan hat einen Besuch der Biofach angekündigt, ebenso der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und die niederländische Staatssekretärin Sharon Dijksma. Öko-Landwirte und Unternehmen der Branche sind aufgefordert, die Nürnberger Erklärung bis zum 25. Februar zu unterzeichnen

Für die Unterzeichner der Nürnberger Erklärung sind die Pläne der EU-Kommission, spezielle Grenzwerte für Kontaminationen mit Pflanzenschutzmitteln aus der konventionellen Landwirtschaft einzuführen, ein K.O.-Kriterium. Löwenstein kritisiert insbesondere, dass mit Pflanzenschutzmittel-Grenzwerten Öko-Produzenten für das Verhalten ihrer Nachbarn in Haftung genommen würden. Das stelle nicht nur das Verursacherprinzip auf den Kopf, sondern werde massiv Umstellungen verhindern. Löwenstein ist überzeugt: „Ein solch hohes Risiko wird kaum ein Landwirt eingehen wollen!“ Dabei erfreuten sich Öko-Lebensmittel bei den Verbrauchern wachsender Beliebtheit. (brs)
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