Das sehr wechselhafte Wetter mit viel Regen im Süden und Trockenheit im Nord-Osten könnte die Brotgetreideernte 2016 vor besondere Herausforderungen stellen. Es ist möglich, dass das Getreide aufgrund der Witterung in einigen Regionen nicht gleichmäßig abreifen oder ins Lager gehen wird, befürchtet der Verband Deutscher Mühlen (VDM). Eine Spätanwendung mit Glyphosat ist in solchen Situationen unter strengen Auflagen zugelassen. Die Mühlenwirtschaft fordert die Landwirte auf, den Wirkstoff nur einzusetzen, wenn das Getreide anders nicht geerntet werden kann und auf die Sikkation ganz zu verzichten. „Getreide, das mit Glyphosat kurz vor der Ernte behandelt wurde, gehört nicht in die Mühlen“, stellt der VDM fest.

Bauernverband sieht Verantwortung bei Mühlen

„Der Deutsche Bauernverband hat die Forderung des VDM mit Verwunderung zur Kenntnis genommen“, so ein DBV-Sprecher gegenüber agrarzeitung.de. Der Verband verweist darauf, dass die deutsche Gesetzgebung mittlerweile so streng sei, dass eine Behandlung mit dem Wirkstoff im reifenden Getreidebestand kaum mehr möglich ist. Der Bauernverband rät den Mühlen keine anonyme europäische Ware einzukaufen. Stattdessen könnten die Verarbeiter gezielt bei den Landwirten und Erzeugergemeinschaften deutsche Ware mit entsprechender Spezifikation kaufen und das entsprechend honorieren.

Keinen Einsatz kurz vor der Ernte

Auch wenn die Vorerntebehandlung mit Glyphosat unter den strengen Anwendungsbestimmungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) möglich ist, wollen die Müller kein mit Glyphosat behandeltes Getreide zu Lebensmittel verarbeiten. Daher fordert die Mühlenwirtschaft die Landwirte auf, auf den Einsatz kurz vor der Ernte ganz zu verzichten. Bereits seit dem Jahr 2002 untersuchen die Unternehmen der Mühlenwirtschaft Getreide und Mahlerzeugnisse auf Glyphosat im Rahmen ihres Europäischen Getreidemonitoring. „Es hat sich gezeigt, dass die gemeinsame Anstrengungen der Partner in der Getreidekette zur Minimierung von Rückständen und die Einschränkung der Spätanwendung im Brotgetreideanbau erfolgreich gewesen sind“, sagt VDM-Geschäftsführer Peter Haarbeck. Im Jahr 2015 konnte in 93 Prozent der untersuchten Proben kein Glyphosat nachgewiesen werden, dort wo Rückstände festgestellt worden sind, hätten sie auf einem „sehr, sehr niedrigen Niveau“ gelegen.

Behandelte Partien getrennt lagern und vermarkten

„In der aufgeheizten und sehr emotional geführten Debatte um den Wirkstoff Glyphosat liegt es bei den Landwirten, zu zeigen, dass sie Ihrer Verantwortung gerecht werden und auf die Vorerntebehandlung wo immer möglich verzichten“, so Haarbeck weiter. Der Verband fordert die Getreidebauern auf, behandelte Getreidepartien getrennt zu lagern und zu vermarkten. Mühlen und Getreidehandel müssen in jedem Fall von den Landwirten darüber informiert werden, wenn Glyphosat bei der Ernte zum Einsatz gekommen ist.

Lieferungen werden überwacht

Die Müller überwachen die Getreideanlieferungen sehr genau und melden ihren Lieferanten zurück, wenn Rückstände gefunden werden. „Fest steht, dass die Verbraucher keine Glyphosatrückstände in ihrem Essen wollen und seien sie noch so gering. Andererseits braucht die konventionelle Landwirtschaft das Herbizid Glyphosat. Deswegen kann die Devise nur heißen: So wenig wie möglich, so viel wie nötig“, stellt Haarbeck fest. (SB/jst)
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