Milchviehhaltung

NGOs warnen vor Strukturbruch


21 Tierschutz-, Bauern-, Entwicklungsorganisationen und Umweltverbände fordern in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) politische Maßnahmen zur Begrenzung der Milchmenge. Die Krise auszusitzen hätte weitreichende negative Folgen, warnen die Unterzeichner, zu denen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, der Deutsche Tierschutzbund, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Greenpeace gehören.

Konzentration auf Großbestände

Tausende Milchviehbetriebe werden aufgeben und die verbleibenden umso stärker wachsen, sodass die Milchmenge wenn überhaupt nur kurzfristig sinken werde. Die Unterzeichner befürchten, dass sich die Milchviehhaltung noch stärker auf Großbestände und einige wenige Regionen konzentrieren werde. Die für Tierschützer besonders wichtige Weidehaltung von Milchkühen werde in großen Herden kaum praktiziert und daher großflächig verschwinden. Der Preisdruck werde das Steigern der Milchleistung je Kuh als Zucht- und Fütterungsziel weiter vorantreiben, mit Folgen für Tiergesundheit und Futterzusammensetzung.

"Exportförderung verheerend"

Die über Jahrhunderte von Wiesen und Weiden geprägten Kulturlandschaften drohen ihre charaktergebende Nutzungsform und damit Wertschöpfung, Artenvielfalt, Lebensqualität und Attraktivität auch für den Tourismus zu verlieren. Entwicklungspolitisch sei die Exportorientierung der Milchwirtschaft „verheerend“, heißt es in dem Brief. In den Zielländern untergraben Massenprodukte zu Billigpreisen den dringend notwendigen Aufbau einer regional verankerten Land- und Lebensmittelwirtschaft.

Wertschätzung in Gefahr

Die Unterzeichner fürchten auch um das gesellschaftliche Ansehen der Milchbauern. Milch genieße in der Gesellschaft eine besondere Wertschätzung. Dies gerate in Gefahr, wenn die Krise noch länger anhalte. Zwar garantierten hohe Erzeugerpreise nicht automatisch eine standortangepasste, umweltschonende, tiergerechte und entwicklungsverträgliche Milcherzeugung, geben die Autoren des Briefes zu. „Aber Tiefstpreise entziehen dem ganz sicher jegliche Grundlage“, heißt es in dem Brief. (SB)
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